Welttag der Poesie am 21. März 2009


Liebe Besucherinnen und Besucher,

 am diesjährigen UNESCO-Welltag der Poesie bin ich selbst so sehr mit meiner eigenen Lyrik beschäftigt (ich arbeite zur Zeit an einem neuen Gedichtband), dass ich mich nur kurz an dieser Stelle im Netz bei Ihnen melden kann.

 Apropos  „Welttag der Poesie”: In diesen Tagen habe ich mich sehr gefreut, weil ich aus der Hauptstadt der Mongolei Ulaanbaatar ein Belegstück des neuen „World Poetry almanac 2008″ erhalten habe. Er versammelt in englischer Sprache Gedichte von 150 Lyrikern aus 70 Ländern der Welt, darunter Bei Dao, Luo Ying (China), Fernando Rendón (Kolumbien), Yves Bonnefoy (Frankreich), Hugo Claus (Belgien, 2008 verstorben) und Adonis (Syrien).

 Natürlich betrachte ich es als besondere Ehre, dass Chefherausgeber Hadaa Sendoo, selbst ein bekannter Lyriker, zwei Gedichte von mir („Isarsommer” und „Schnee, Mann”) aufnahm, die Richard Dove ins Englische übertragen hat („Summer by the river Isar” und „Snow, Man”).

 Ich stelle Ihnen zum diesjährigen „Welttag der Poesie” ein Gedicht aus dem neuen Gedichtband „Come back to earth” von Hadaa Sendoo vor, dessen Poesie in 20 Sprachen übersetzt wurde und der als Professor an der Mongolischen Nationaluniversität lehrt:

Root

I am live and I can see
The root of rivers, the root of grass
The root of the sky, the root of rocks
The root of poetry

When I pass away, I will dream
The poetry of the root, the rocks of the root
The sky oft the root, the grass of the root
The rivers of the root

Neue dtv-Anthologie “Ein Nilpferd schlummerte im Sand” beim Herausgeber eingetroffen

 

 

Liebe Besucherinnen und Besucher,

Leitner/Trinckler (Hrsg.) "Ein Nilpferd schlummerte im Sand"

Leitner/Trinckler (Hrsg.) "Ein Nilpferd schlummerte im Sand"

 

 heute ist ein Vorabexemplar meiner neuesten Anthologie in Weßling eingetroffen. Sie heißt “Ein Nilpferd schlummerte im Sand”, enthält “Gedichte für Tierfreunde” und erscheint offiziell erst im April 2009 im Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv).

Wie Sie sicher schon am Umschlag erkennen, gestaltete das Deckblatt kein Geringerer als Reinhard Michl, der das 143 Seiten starke Buch im Geschenkformat auch illustriert hat. 

Ich habe die Sammlung zusammen mit meiner Mitarbeiterin Gabriele Trinckler herausgegeben. Sie kostet lediglich € 4,95 und ich glaube, Sie werden nicht enttäuscht sein, wenn Sie diese überschaubare Summe in unsere Anthologie investieren. Sie ist sicherlich bereits im Buchhandel vorbestellbar. Falls Sie ein Exemplar wünschen, das von Gabriele Trinckler und mir signiert ist, wenden Sie sich gegebenfalls direkt an uns. Dann helfen wir Ihnen weiter.

Mehr Informationen zu unserem neuen dtv-Titel  finden Sie direkt auf der dtv-Homepage: Lesen Sie selbst!  dtv ermöglicht Ihnen übrigens sogar einen Blick ins Buch selbst!

Herzliche Grüße aus dem heute naßkalten Weßling
sendet Ihnen Ihr Anton G. Leitner

poetry talk in Wien: lyrik schreiben – lyrik managen

Christian Ide Hintze, Felizitas Leitner, Augusta Laar und Dominik Riedo bei der Vorbesprechung für den poetry talk am 27.2.2009 in der "Schule für Dichtung" (sfd), Wien

Christian Ide Hintze, Felizitas Leitner, Augusta Laar und Dominik Riedo bei der Vorbesprechung für den poetry talk am 27.2.2009 in der "Schule für Dichtung" (sfd), Wien

Anton G. Leitner und Christian Ide Hintze bei der Vorbesprechung in der Schule für Dichtung (sfd), Wien
Anton G. Leitner und Christian Ide Hintze bei der Vorbesprechung in der Schule für Dichtung (sfd), Wien
Anton G. Leitner, Christian Ide Hintze, Augusta Laar und Dominik Riedo beim poetry talk am 27.2.2009 im "depot", Wien

Anton G. Leitner, Christian Ide Hintze, Augusta Laar und Dominik Riedo beim poetry talk am 27.2.2009 im "depot", Wien

Anton G. Leitner liest im "depot", Wien
Anton G. Leitner liest im “depot”, Wien
Anton G. Leitner, Christian Ide Hintze und Augsta Laar beim poetry talk im "depot", Wien

Anton G. Leitner, Christian Ide Hintze und Augsta Laar beim poetry talk im "depot", Wien

Das Publikum verfolgt die Podiumsdiskussion beim poetry talk im "depot", Wien
Das Publikum verfolgt die Podiumsdiskussion beim poetry talk im “depot”, Wien
Anton G. Leitner mit Sigrun Höllrigl nach dem poetry talk im depot, Wien

Anton G. Leitner mit Sigrun Höllrigl nach dem poetry talk im depot, Wien

Christel Fallenstein und Anton G. Leitner nach dem poetry talk im "depot", Wien

Christel Fallenstein und Anton G. Leitner nach dem poetry talk im "depot", Wien

Die Wiener Lyriker Rudolf Kraus und Manfred Chobot am 28.02.2009 im Café Rüdigerhof, Wien
Die Wiener Lyriker Rudolf Kraus und Manfred Chobot am 28.02.2009 im Café Rüdigerhof, Wien
Anton G. und Felizitas Leitner am 28.2.2009 im Café Rüdigerhof, Wien
Anton G. und Felizitas Leitner am 28.2.2009 im Café Rüdigerhof, Wien

Zweiter Teil meiner ZVABlog-Kolumne seit heute online

 

Liebe Besucherinnen und Besucher,

 seit heute ist der zweite Teil meiner Lyrik-Kolumne im Zentralen Verzeichnis Antiquarischer Bücher ZVAB.com online. Ich habe meine Kolumne dieses Mal dem Archipoeta und großen Spracherneuerer Giuseppe Ungaretti gewidmet. Lesen Sie selbst.

Eine Verehrerin versorgt den greisen Dichter Giuseppe Ungaretti

Eine Verehrerin versorgt den greisen Dichter Giuseppe Ungaretti

„Heute ist ein schöner Tag”

Aloisia Leitner *21.08.1911, verstorben am 23.2.2009

Aloisia Leitner *21.08.1911, verstorben am 23.2.2009

 

 Heute ist kein schöner Tag, denn vor einigen Stunden bin ich vom Totenbett meiner Großmutter heimgekehrt. Sie ist gegen Mittag im Alter von 97 Jahren gestorben. Ich habe ihr im Pflegeheim einen letzten Besuch abgestattet.

 Das Heim liegt idyllisch an einem oberbayerischen See und als ich es betrete, läuft gerade der Rosenmontagsschlager „Heute ist ein schöner Tag”. Einige verwirrte Heimbewohnerinnen versuchen mit mir in einer unverständlichen Babysprache Kontakt aufzunehmen. Vom Personal begegnet mir während meines gesamten Besuches niemand. Wahrscheinlich waren die diensthabenden Pflegerinnen und der Zivildienstleistende mit bettlägerigen alten Menschen beschäftigt.

 Die Tür zu Großmutters Zimmer steht einen Spalt weit offen. Sie liegt so wie immer in ihrem Pflegebett, nur steht das Bett heute etwas angeschrägt an der Terrassentür. Unter ihren Kopf hat man ein hohes Kissen geschoben, so dass sie eigentlich den zugefrorenen See sehen müsste, der draußen silbergräulich schimmert, wie ihr nach hinten gekämmtes Haar. Aber ihre Augen sind zu. Sie kann den See nicht mehr sehen und der See schert sich nichts um sie. Der ist mit sich selbst beschäftigt und taut auf, während Großmutter regungslos vor mir liegt, mit einem matten Glanz auf der Haut. Ihr Mund ist offen, zahnlos, von einem angedeutetem Lächeln umspielt. Meine Nase habe ich von ihr, denke ich. Ihre ist sogar noch mehr gekrümmt als meine. Aber ihre Nasenflügel bewegen sich nicht mehr, nicht um einen Deut. Kein Ringen um Luft, kein verkrampfter Husten nach dem Verschlucken.

 Ihre feingliedrigen Hände hat man gefaltet. Sie umschließen den Teil der Blüte eines Weihnachtssterns und etwas Grünzeug. Zwei große weiße Stearin-Kerzen brennen in einem Glas. Sie stehen auf grauen Sockeln im Jugenstildekor und flankieren die rechte und linke Seite von Großmutters Bett. Die Flammen züngeln nicht. Kein Lufthauch bewegt sie. Das resopalgeschichtete Regal an der Wand ist schon leergeräumt. Wie neu.

In der Ecke des Zimmers lehnt ein Glasrahmen. Er hält noch immer all die Fotos ihrer Enkel zusammen, die nicht zusammenpassen. Einzelne sind  schon angegilbt. Sie sind nach der Geburtsfolge nummeriert und handschriftlich mit den Vornamen der Enkel versehen. Ein Bild zeigt mich als Jugendlichen. Ich schaue brav aus. Mein Bild hat einen Rotstich. Es ist mit „Nr. 1″ und meinem Spitznamen gekennzeichnet. Links daneben lehnt ein einzelner Rahmen: Darin ein Foto meines verstorbenen Großvaters. “Papa” steht darauf. Kein weiteres Bild, nur ein Buch, die heilige Schrift, und Jesus am Kreuz.

 Sie hätte sich gewünscht, dass jetzt ein Pfarrer an ihrem Bett steht. Aber am Rosenmontag steht auch in Bayern kein katholischer Geistlicher am Totenbett. Vielleicht findet sich doch noch einer. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Als ich gehe, schreckt eine alte Dame im Gang aus ihrem Rollstuhl hoch. Ich habe sie an ihrer Sitzhaltung wiedererkannt. Denn wie bei all meinen früheren Besuchen ist ihr halber Oberkörper über die rechte Armlehne des Rollstuhls gesunken. Mein Gruß lässt sie auch dieses Mal hochfahren und eine aufrechte Sitzhaltung einnehmen. Sie ruft, schreit mir unverständliche Worte nach und verfolgt aufmerksam mein Gehen. Dann sinkt ihr halber Oberkörper über die linke Armlehne ihres Rollstuhls.