Anna Seghers-Preis 2006 für GEDICHT-Redaktionsmitglied Nico Bleutge

Liebe Besucherinnen und Besucher,

wir gratulieren unserem Redakteur Nico Bleutge ganz herzlich zum Anna Seghers-Preis 2006.

Seit 1995 zeichnet die Anna Seghers-Stiftung Autoren aus den deutschsprachigen und lateinamerikanischen Ländern mit dem Anna Seghers-Preis aus, der mit jeweils 12.500 € dotiert ist. Preisträger in diesem Jahr sind der Lyriker und Literaturkritiker Nico Bleutge (Tübingen) sowie der Erzähler und Performancekünstler Pedro Lemebel (Chile).

Die Preisverleihung erfolgt am Sonntag, den 12. November 2006 um 19.00 Uhr im Plenarsaal der Akademie der Künste zu Berlin (Pariser Platz). Die Literaturkritikerin Sibylle Cramer hält die Laudatio auf Nico Bleutge, der anschließend aus seinem Gedichtband „klare konturen“ (Verlag C. H. Beck, München 2006) liest.

In der aktuellen Ausgabe unserer Zeitschrift DAS GEDICHT (Nr. 14, Herbst 2006: „Am schönsten ist ein Tierkonzert. Die Arche der Poesie“) sind bislang unveröffentlichte Gedichte von Nico Bleutge publiziert. Zusammen mit mir hat Nico Bleutge für die selbe GEDICHT-Folge auch die komplette Lyrikproduktion deutschsprachiger Verlage von 2004 bis 2006 gesichtet und die wichtigsten Novitäten kritisch kommentiert.

Nico Bleutge leitet als Gastreferent vom 26. bis 28. Januar 2007 das Lyrikseminar der Redaktion DAS GEDICHT in Weßling (weitere Informationen unter www.dasgedicht.de).

Noch einmal herzlichen Glückwunsch an Nico Bleutge und toi, toi, toi für die weitere lyrische Arbeit.

Mit herzlichen poetischen Grüßen
und Wünschen
verbleibe ich für heute
aus Weßling

Ihr Anton G. Leitner

Fernsehen

Liebe Besucherinnen und Besucher,

zum Erscheinen meiner Gedichtsammlung „Im Glas tickt der Sand“ (edition lichtung, Viechtach 2006) hat Armin Kratzert, Literaturchef des BR/Fernsehen, am Ufer des Weßlinger Sees für seine Sendung „LeseZeichen“ ein Gespräch mit mir geführt.

Es wird am Donnerstag, dem 28. September 2006 um 22.15 Uhr und am kommenden Samstag, dem 30. September 2006 um 22 Uhr auf BR-alpha in 8-minütiger Länge ausgestrahlt.

Armin Kratzert und ich unterhalten uns unter anderem über den Ursprung der Weißwurst, über das Backen von Kuchen, über den Zusammenhang der juristischen und lyrischen Sprache sowie über den feinen Unterschied zwischen Poesie und Prosa und die fast unbeschreibliche Kraft der Lyrik.

Ich lade Sie herzlich ein, unser Gespräch am Bildschirm zu verfolgen. Es wurde am vergangenen Dienstag aufgezeichnet und der Himmel hat uns glücklicherweise während der Dreharbeiten eine Regenpause gegönnt.

Herzliche Grüße 
aus dem „Hauptdorf der deutschen Lyrik“ (J. Sartorius) Weßling 
sendet Ihnen 
Ihr

Anton G. Leitner

 

LeseZeichen. Das Literaturmagazin des Bayerischen Fernsehens.

jeden Sonntag um 11.45 Uhr.

Wiederholung: Donnerstag 22.15 Uhr und Samstag, 30. September 22.00 Uhr in br-alpha.

LeseZeichen

 

VORSCHAU


Sendetermine auf BR-alpha:
Donnerstag, 28. September um 22.15 Uhr und Samstag, 30. September um 22.00 Uhr

 

PER PETTERSON: Pferde stehlen

ANTON G. LEITNER IM GESPRÄCH MIT ARMIN KRATZERT: Im Glas tickt der Sand

MARTIN WALSER: Angstblüte

EVA HERMAN: Das Eva-Prinzip 

Heute Demo!

Liebe Besucherinnen und Besucher,

am heutigen Sonntag gibt es die erste Großdemonstration in der Geschichte des Dorfes Weßling. Die Bürger von Weßling und der umliegenden Gemeinden protestieren ab 15 Uhr gegen die Ausdehnung des Flugbetriebs auf dem ehemaligen Dornier-Werksflughafen im Weßlinger Ortsteil Oberpfaffenhofen. Mit Ausnahme der CSU, der bekanntlich schon seit den Höhen- und Tiefflügen ihres ehemaligen großen Vorsitzenden Franz Josef Strauß (ich sage nur: „Steuerbefreiung für Flugbenzin!“) ein halberotisches Verhältnis zur Fliegerei nachgesagt wird, rufen fast alle Parteien und Gruppierungen zur Beteiligung auf und ich folge ihrem Ruf und demonstriere mit.

Allerdings finde ich es ein wenig heuchlerisch, nur gegen Fluglärm zu protestieren. Ein Mensch wie ich braucht zu seiner Arbeit vor allem Ruhe. Und wahrscheinlich bin ich mit diesem Bedürfnis bei weiten nicht der einzige im Ort.

Und, unter uns gesagt: Ich wäre manchmal richtig froh, wenn ich den Lärm von Flugzeugen vom Lärm der Motorsägen, Kreissägen, Laubsauger, Heckenscheren, Rasenmäher, Mehrgang-Schlagbohrer, Bandschleifer, Luftdruckreiniger, Auto-Hifi-Anlagen, Auto-Staubsauger, PKWs, LKWs, S-Bahnen, Papiermüllentsorger, Plastikmüllentsorger, Restmüllunterentsorger, Feuerwehrsirenen, Martinshörner usw. unterscheiden könnte.

„Flugzeuge“, sagt meine Mitarbeiterin Gabriele Trinckler, „sind hier in Weßling eigentlich noch die geringste Lärmquelle“ – und freut sich täglich darauf, dass sie ab 18 Uhr wieder – mit einem langgezogenen Quietschton auf den abgefahrenen S-Bahnschienen – in ihr „ruhiges München“ fahren darf.

Und so will ich heute nicht nur gegen Fluglärm protestieren, sondern auch gegen den hausgemachten Lärm. Und vielleicht finde ich sogar einige Demonstrantinnen und Demonstranten, die mir beipflichten, dass wir im Grunde genommen erst einmal gegen uns selbst demonstrieren müssten. Eigentlich bräuchten wir ja nur die schon vorhandene gemeindliche Satzung einhalten, die das Verhältnis zu ruhestörenden Arbeiten regelt. Denn der Lärm aus der Luft lässt sich nicht abstrakt loslösen vom Lärm auf der Erde. Und die Boden- und Geräuschhoheit über unsere eigenen Grundstücke haben wir selbst!

Erst also sollten wir den lärmenden Schweinehund in uns überwinden. Und danach können wir uns guten Gewissens noch einmal treffen und gemeinsam gegen den Lärm aus der Luft demonstrieren.

Vielleicht ist mir der „Naherholungsort“ Weßling nach fast 45 Jahren einfach zu „nahe“, als dass ich mich in ihm erholen könnte?

Aber jetzt muss ich erstmal demonstrieren gehen
und verabschiede mich so leise wie möglich
um hinterher lautstark zu protestieren …
mit herzlichen Grüßen

Ihr Anton G. Leitner
(der seit Jahren stets „Ohropax“ in Griffweite auf dem Schreibtisch liegen hat)

Alte Freunde, neue Freunde?

Liebe Besucherinnen und Besucher,

mein offener Brief an Günter Grass hat über den deutschen Sprachraum hinaus, bis hinein in polnische Tagezeitungen, Wellen geschlagen.

Ich habe viele zustimmende und einige sehr böse Briefe und eMails erhalten, auch von Schriftstellerkollegen aus dem Umfeld von Günter Grass. Ich sei (mit 45 Jahren) „zu jung“, um mich in dieser Angelegenheit zu äußern und Grass sei außerdem nie ein „Moralist“ gewesen, das sähe ich „völlig falsch“.

Gleichzeitig erreichen mich eMails von alten und neuen Nazis: Jemand, der keinen „Schießprügel“ in der Hand gehabt hätte, habe kein Recht, dem ehemaligen „Kameraden Grass“ fordernd zu begegnen, außerdem sei ich „zu jung“, um mitzureden.

Erschreckend, wie sich die Argumentationen gleichen, wenn Menschen nicht mehr weiter wissen!

Ein Zeichen in die von mir vorgeschlagene Richtung von Günter Grass gibt es, soweit ich es mitbekommen habe, bislang jedenfalls nicht. Inzwischen sollen rund 250.000 Exemplare seines Enthüllungs-Bandes verkauft worden sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die klingelnden Kassen Günter Grass dieses Mal wirklich glücklich machen. Auch wenn er es noch einmal auf Platz 1 der Bestsellerlisten geschafft hat: um welchen Preis!

Vier Wochen nach meinem Vorschlag scheint es so, dass mein früheres Grass-Bild nicht wiederhergestellt werden kann. Damit bin ich, wie ich täglich erfahre, nicht allein. Aber das vermag meine Enttäuschung, meine Traurigkeit nicht zu vermindern. Die moralische Instanz, das menschliche Vorbild Günter Grass gibt es – für mich jedenfalls – nicht mehr.

Das Denkmal hat sich selbst vom Sockel gestürzt.

In diesem Sinne verbleibe ich für heute
mit herzlichen Grüßen aus Weßling

Ihr Anton G. Leitner

DAS GEDICHT-Herausgeber

Ein Vorschlag an Günter Grass

Lieber Günter Grass,

Martin Walser hatte gestern Abend im ZDF eine treffliche Erklärung für die 60-jährige Verspätung Ihres SS-Coming-Outs: Deutschland biete nicht das nötige Klima für derartige Offenbarungen. Und im Übrigen empfiehlt Walser den Vertretern des Literaturbetriebs: „Maul halten!“

Inzwischen ist auch, quasi über Nacht, Ihr Hardcover-Band erschienen (drei Wochen früher als geplant). Sie selbst hüllen sich in ein medienwirksames Schweigen und empfehlen uns verstörten Lesern, die entsprechenden Passagen in Ihrem Buch selbst nachzulesen. Ihr guter Rat war vielen teuer, denn wie Ihr Verlag stolz vermeldet, ist die Startauflage (150.000 Exemplare) inzwischen fast abverkauft.

Sie können auf denkbar einfache Weise zeigen, dass Sie in keiner Weise materiell von der Enthüllung Ihrer SS-Zugehörigkeit profitieren wollen. Spenden Sie alle Einnahmen, die mit dem Buch verbunden sind, den Opfern der Waffen-SS.

Diese Geste, der sich vielleicht auch Ihr Verlag anschließen könnte, würde nicht nur mein altes Grass-Bild wiederherstellen.

Mit diesem ernst gemeinten Vorschlag
verabschiedet sich
mit freundlichen Grüßen
aus Weßling

Ihr Anton G. Leitner

DAS GEDICHT, Herausgeber

Die schnelle Generalabsolution

Liebe Besucherinnen und Besucher,

auch viele Besucher meiner Homepage beschäftigt das verspätete SS-Coming-Out von Günter Grass sehr intensiv. „Ich war erstmal fassungslos und kritzelte mir mit Stift und Papier das Unglaubliche von der Seele“, mailt mir zum Beispiel Titus Grall aus Berlin und dichtet: „Geoutet – gehäutet // Katz und Maus / Mußte raus / Spiel ist aus // Echt krass, Mann / Grass, ein SS-Mann // Out“.

Ich finde heute besonders interessant, wie sich enge Weggefährten von Günter Grass in dieser prekären Situation verhalten. Marcel Reich-Ranicki, der sonst ja gerne zu allem und jedem seine oftmals polemischen Kommentare abgibt, entdeckt eine neue Disziplin: Das Schweigen. Und Walter Jens, jener sonst so scharfzüngige und überkritische Rhetoriker aus Tübingen, zweifelt, wenn ich seine Äußerungen recht interpretiere, nicht einen Augenblick lang an der moralischen Integrität des Nobelpreisträgers.

Mir drängt sich allmählich der Verdacht auf, der – kalkulierten? – Selbstentblößung von Günter Grass folgt nun stehenden Fußes der Striptease jener Persönlichkeiten aus seinem Umfeld, die sich bislang so gerne als das personifizierte intellektuelle Gewissen unserer Gesellschaft inszeniert haben.

Seien wir weiter auf der Hut!

Herzliche Grüße
aus Weßling
und bis bald,

Ihr Anton G. Leitner

DAS GEDICHT, Herausgeber