Anton G. Leitner ist Turmschreiber

Liebe Leserinnen und Leser,

am Samstag, den 26. September 2009 haben mich die „Turmschreiber“ (München) einstimmig zu ihrem neuen Mitglied gewählt. Um die Mitgliedschaft bei den „Turmschreibern“ kann man sich nicht bewerben, sie erfolgt auf Einladung und Beschluss der Autorengilde.

Die Münchner Turmschreiber feiern in diesem Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum. Zur Gruppe, deren Schutzpatron Karl Valentin ist, gehören u. a. die Autorinnen Asta Scheib und Petra Morsbach  sowie Herbert Rosendorfer, Fitgerald Kusz und Eugen Roth (1895–1976), aber auch streitbare Journalisten wie Hannes Burger und Kabarettisten (z. B. Christian Springer, alias “Fonsi”).

Weil ich bei meiner schriftstellerischen und editorischen Arbeit verstärkt zu einem „Wertekonservativismus“ sozialliberaler Prägung neige, der sich immer wieder mit meinem langjährigen Hang zur Renitenz paart, fühle ich mich bei den Münchner Turmschreibern gut aufgehoben und freue mich auf intensive Begegnungen mit meinen Turmschreiber-Kollegen, von denen ich viele ohnehin bereits seit vielen Jahren kenne.

Netzseite “Die Turmschreiber”
Netzseite “Freundeskreis der Turmschreiber”

„Schluss mit Solidarität!“

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Weßling, den 20./21. September 2009

Liebe Leserinnen und Leser,

auch am Sonntag bin ich wieder einmal in meinem Verlag und dort mit der Auslieferung der druckfrischen Ausgabe von DAS GEDICHT Nr. 17 beschäftigt. Und einmal mehr gehe ich nur in Gedanken mit meiner Mittelschnauzerin Nelly um den idyllischen Weßlinger See spazieren, der nur wenige hundert Meter von meinen Verlagsräumen entfernt liegt. Hat aber auch vielleicht sein Gutes, dann muss ich mich nicht über das aggressive Plakat eines Milchbauern ärgern, der, wie ein Blick in die einschlägige Suchmaschine zeigt, allein schon im vergangenen Jahr von der EU Subventionen in einer Höhe bezogen hat, die an das Jahresgehalt eines Normalverdieners grenzen.

Nun bin ich der Letzte, der den Milchbauern keine fairen Preise für ihre Milch zahlen möchte, aber wenn ich im Lokalteil der Süddeutschen Zeitung lese, dass auch Milchbauern aus unserer Region Milch mit dem Güllewagen aufs Feld fahren und dort bis zu 70.000 Liter aus Protest verschütten, während anderswo auf der Welt tausende von Menschen verhungern, dann bin ich fassungslos. Und dann reut mich jeder Cent, der auch aus meinem nicht minder hart verdientem Geld „Landwirten“ wie diesen zufließt und ich ärgere mich noch mehr darüber, dass zu solchen wahnsinnigen Aktionen kein Kirchenmann oder Politiker klar und deutlich Stellung bezieht. Deshalb tue ich es wenigstens auf meinem Blog: Den Landwirten, die mit solch einer Verachtung und Respektlosigkeit mit Lebensmitteln umgehen, gehört der Geldhahn aus Brüssel abgedreht. Und zwar so schnell wie möglich.

Bevor ich mich aber noch weiter erbose, vielleicht auch, weil ich so der Auslieferungsarbeit zu entkommen hoffe, kann ich noch über erste Sofort-Reaktionen von Leserinnen und Lesern auf die neue GEDICHT-Ausgabe Nr. 17 berichten.

„Einmal ist Schluss, weil man/frau kann nicht überall mitmischen und unterstützen; es gibt leider kein Miteinander und keine Solidarität“, mailt eine Abonnentin und lässt ihrer Behauptung gleich Taten folgen, nämlich die Kündigung. „Die Mayröcker interessiert mich überhaupt nicht. Ich bin der Meinung, dass von ihren zigtausenden von Gedichten 95% geistloses und überflüssiges Geschwätz sind“, mailt mir ein anderer Leser. Eine weitere Leserin erkundigt sich nach unseren Aufnahmekriterien, weil sie eigentlich der Meinung sei, dass es auch ihre Gedichte verdient hätten, im neuen GEDICHT zu stehen.

Angesichts der Tatsache, dass in der neuen GEDICHT-Ausgabe über acht Monate Arbeitszeit stecken, tun solche Spontanreaktionen, die vielleicht auch aus der Verärgerung heraus entstanden sind, nicht selbst in der Ausgabe vertreten zu sein, natürlich sehr weh. Denn insbesondere von Kolleginnen und Kollegen würde ich mir einen respektvolleren und sensibleren Umgang mit der literarischen Arbeit anderer wünschen. Friederike Mayröcker gehört ohne jeden Zweifel zu den wichtigsten lebenden Lyrikerinnen aus unserem Sprachkreis, an ihre Wortmacht, ihren Wortschatz und ihr Reflexionsvermögen kann nur ein Bruchteil all jener Zeitgenossen, die mehr oder weniger erfolgreich Gedichte schreiben, rühren.

Ich denke, wir sind ohnehin schon eine vom Neid infizierte Gesellschaft, wir sollten es uns deshalb insbesondere als Lyriker gönnen, uns an den Texten anderer zu erfreuen und sie zu genießen. Ich lese gerne den SPIEGEL, egal, ob ich selber drinstehe oder nicht, und habe, das sei an dieser Stelle auch einmal gesagt, in den ersten zehn Jahrgängen meiner Zeitschrift DAS GEDICHT kein einziges Gedicht von mir darin veröffentlicht. Ich tat dies erst, als meine Gedichte in Standardwerke wie Das deutsche Gedicht vom Mittelalter bis zur Gegenwart“ (herausgegeben von Prof. Wulf Segebrecht) oder in „Das große deutsche Gedichtbuch“ von Professor Karl Otto Conrady aufgenommen wurden, dem ich bei dieser Gelegenheit ganz herzlich zum renommierten „Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik“ für seine Gedicht-Anthologie Lauter Lyrik – Der Hör-Conrady“ gratuliere. Conrady hat seit  jeher plural getickt, er nahm mich 2000 erstmals in seine Sammlung auf, obwohl wir gerade damals manch kritischen Disput miteinander geführt haben. Aber ein Mann wie er hat sich von solchen Differenzen nicht abhalten lassen, ohne Ansehen der Person, zu tun, was er für richtig hielt. Denn im Zentrum seiner Arbeit standen und stehen immer nur die Texte, d. h. Gedichte selbst und nicht deren Verfasser oder seine persönliche Beziehung zu ihnen. Einzig und allein so kann ein Herausgeber Bücher machen, die dann auch wirklich gelesen werden.

Aber selbstverständlich will ich Ihnen an dieser Stelle auch nicht die ersten positiven Reaktionen auf die neue GEDICHT-Folge vorenthalten. Eine Leserin war so begeistert von der lyrischen Behandlung des Themenkomplexes Angst-Gewalt und „poetische Prävention“, dass sie spontan 100 Exemplare der Ausgabe nachgeordert hat, um sie insbesondere an Gymnasien zu verschenken. Und ein Kollege aus der Buchbranche war so angetan von Ausstattung und Auswahl der aktuellen Folge, dass er für sein Haus sofort die Umschlagseite 4 von DAS GEDICHT 18 (2010) reservierte.

Mir persönlich würde es sicherlich finanziell besser gehen, wenn ich DAS GEDICHT nicht verlegen würde. Denn fast alle Mittel, die ich als Herausgeber und Autor mit anderen Projekten verdiene, fließen in die Zeitschrift. Trotzdem möchte ich keines der 17 existentiellen Arbeitsjahre missen, die ich bislang in mein Herzblatt investiert habe.

Und ich bin überzeugt davon, dass DAS GEDICHT als „Publikumszeitschrift für Lyrik“ heute notweniger ist denn je, da es nach wie vor in der Lage ist, Lyrik in die gesellschaftliche Diskussion zu bringen. Auch insoweit unterscheidet es sich von manch einem insiderhaft betriebenen Kraut-und-Rüben-Poesieprojekt im Internet. Aber selbstverständlich gibt es im Netz auch Portale für deutschsprachige Lyrik und ihre Diskussion, die seriös, jenseits des gegenseitigen Schulterklopfens, und vor allem mit redaktionellem Sachverstand betrieben werden. Allen voran der von Andreas Heidtmann verantwortete Poetenladen.

Nachtrag vom 21. September 2009: Einen etwas junggermanistisch angehauchten Streifzug durch die Lyrik im Netz unternahm dieser Tage übrigens die Online-Ausgabe der Hamburger Wochenzeitung DIE ZEIT. Auch wenn ihr Flanuer offensichtlich einäugig (d. h. mit  mindestens einer literaturbetriebsbedingten Scheuklappe) unterwegs ist, bestätigt er im Wesentlichen meine “Kraut & Rüben-These” – wobei er im Bezug auf den Poetenladen auf eine andere Wertung kommt als ich. Jedenfalls ist es amüsant, die mit ins Netz gestellten Kommentare zu lesen. Irgendwie erinnern sie an eine Auseinandersetzung unter frühpensionierten Laubenkolonisten oder an den Protest von Milchbauern (siehe oben).

So, jetzt aber gleich wieder zurück an den Packtisch und bloß nicht die Bodenhaftung verlieren 😉

Herzliche Grüße aus Weßling
und bald wieder an dieser Stelle
Ihr Anton G. Leitner

Fürchte dich nicht – spiele! DAS GEDICHT 17 von Friedrich Ani und Anton G. Leitner ist erschienen.

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Weßling, den 17. September 2009

Liebe Leserinnen und Leser,

jemandem wie mir, der sein Leben der Lyrik verschrieben hat, kann es schon angst und bange werden bei den vielen schlechten Nachrichten, leider auch für uns Büchermenschen: Das „Jahrbuch der Lyrik“ ist in Nöten, weil es der S. Fischer Verlag nicht länger machen will. Vermutlich scheut man dort das finanzielle Risiko. Außerdem, so liest man, könnte der Schweizer Lyrikverleger Urs Engeler nicht in der bisherigen Art und Weise weiterarbeiten, da sein Mäzen kein Geld mehr zuschießen könne. Und während kookbooks-Verlegerin Daniela Seel noch um Hilfe ruft und aller Orten verkündet, dass die Kunst Mäzene braucht, kündigt Verlegerkollege Ammann aus Zürich an, im Sommer 2010 das Handtuch zu werfen. Die Zeitschrift „Literaturen“ soll künftig nur noch zweimonatlich erscheinen.

Die gegenwärtige „Marktsituation“ für Lyrik bzw. anspruchsvolle Prosa im Buchhandel beschreibt die erfahrene Cheflektorin eines großen deutschen Verlages derzeit als „geradezu hermetisch“.

„Wenn es so weiter geht, bist Du mit DAS GEDICHT bald allein auf weiter Flur“, mailt mir dieser Tage ein Journalist und wünscht „viel Glück für die Zukunft“. Natürlich könnte ich jetzt darüber räsonieren, warum es ausgerechnet im „Land der Dichter und Denker“ so weit kommen konnte.

Und ich würde mich dabei zweifellos erregen über jene maßlose Gier der großen und kleinen Spekulanten, die alle davon geträumt haben, das (virtuelle) Geld für sich arbeiten zu lassen, anstatt selber ranzuklotzen. Ich würde mich ärgern über unsere überforderten Volksvertreter in den Aufsichtsgremien, allesamt gewieft und hellwach, wenn es um den Erhalt der eigenen Macht geht, aber seltsam verschlafen und gutgläubig bei der Ausübung ihrer Kontrollpflichten. Aber ich muss die Situation konstruktiv meistern. Zorn hilft mir nicht viel weiter.

Unter diesen schwierigen Umständen ist es mit dem Glückwünschen allein auch nicht getan. Ich selbst habe in diesem Jahr wirklich alles getan, was ich tun konnte, um die neue GEDICHT-Ausgabe Nr. 17 mit mehr Gedichten denn je präsentieren zu können. Und mit mir tat es der „engste Kreis“: Meine Mitarbeiterin Gabriele Trinckler, die seit nunmehr 10 Jahren bei mir beschäftigt ist, meine Frau Felizitas, mein alter Freund und literarischer Weggefährte Friedrich Ani, dem ich zum ersten Mal vor fast 30 Jahren begegnet bin. Er war damals noch als Lokalreporter für eine Münchner Tageszeitung unterwegs, aber seine eigentliche Liebe galt der Lyrik, die er eifrig verfasste und bei jeder Gelegenheit verteidigte (die Lyrik war bei ihm lange vor den Krimis da). Ani nahm seinerzeit meinen ersten öffentlichen Auftritt kritisch unter die Lupe, was zu einem streitbaren, aber überaus fruchtbaren Dialog zwischen uns führte, der bis heute andauert.

„Dichte, denn die Welt ist leck“, hieß unserer erstes gemeinsames Lyrikprojekt, das wir Mitte der 80er-Jahre realisierten – und noch heute veranlasst uns dieser mottohafte Titel bisweilen zu scherzhaften Wortspielen wie „Leck mich, denn die Welt ist dicht“. Viel hat sich seitdem getan. Wir sind der Lyrik treu geblieben. Friedrich Ani ist heute ein international bekannter Schriftsteller. Seine Figuren, die Kriminalkommissare Tabor Süden oder Polonius Fischer zum Beispiel, begegnen uns im Fernsehen oder Kino. Sie haben, wie Ex-Mönch Polonius Fischer, einen unverkennbaren Hang zum Philosophischen und Poetischen, und – was Wunder – auch zur Musik von Bob Dylan. Ihr Erfinder Friedrich Ani beherrscht die Poesie des Verschwindens wie kaum ein anderer. Und er besitzt ein feines Gespür für all das, was uns in Deutschland Angst machen kann oder könnte: „German Angst“ heißt eines seiner bekanntesten Bücher.

Als wir im Juni 2008 beschlossen, gemeinsam eine GEDICHT-Nummer herauszugeben, waren wir uns relativ schnell über das Thema einig: Angst. Dies mag vielleicht ein wenig überraschen, denn seinerzeit sprach kaum jemand von einer Rezession oder gar Weltwirtschaftskrise. Dabei gab es alarmierende Signale: In den USA waren die ersten Banken und Versicherungen ins Straucheln geraten. Aber die US-Administration beschwichtigte, betätigte ihre Geldpumpen, woraufhin bei den globalen Lehmann-Brüdern & Consorten wieder die Champagnerkorken knallten – und selbst die Berater unserer heimischen Sparkassen und Banken durften einmal mehr auf Kosten ihrer Kunden an der New Yorker Pulle nippen. Fast schien es uns so, als ob immer mehr junge Menschen versuchten, sich der rauschhaften Gier jener omnipotenten Nadelstreifenkaste durch Flucht zu entziehen: Sei es, dass sie in virtuelle Chatrooms fliehen oder in Computerspiele, Alkohol, Gewalt und sexuelle Exzesse. Trübe Aussichten: Die jüngste Generation betäubt sich mangels Zukunftsperspektiven, während man die Ältesten im Minutentakt pflegt, damit kontingentierte Budgets nicht überschritten werden. Derweil versuchen andere schon, sich mit Sprengstoff ins Paradies zu bomben. All das erinnert durchaus an spätrömische Tänze auf dem Vulkan und konnte schon immer für einen unruhigen Schlaf sorgen oder sich in unserer Einbildung zu einer überlebensgroßen Angst steigern.

Nun wollten Friedrich Ani und ich aber keine „Geisterbahn der Lyrik“ einrichten. Auch wenn die ganze Bandbreite der Furcht – möglichst anhand von Gedichten – lyrisch aufgezeigt werden sollte: Es ging uns vor allem darum, Verse zu präsentieren, die etwas riskieren, Lyrik mit dem Mut zum Übermut und Sprachspiel, poetische Aufbrüche zum Lebendigsein.

„Fürchte dich nicht – spiele!“ wählten wir als Motto für die Ausgabe und setzten mit 99 Gedichten (überwiegend Originalbeiträge) von 77 zeitgenössichen Autoren aus dem ganzen deutschen Sprachraum einen deutlichen Schwerpunkt auf den Lyrikteil. Unsere Auswahl haben wir generationsübergreifend getroffen. Das Spektrum reicht vom fünfjährigen Yunus aus Berlin-Kreuzberg über Jungautor Leander Beil (geboren 1992), der hier als Lyriker debütiert, bis zur Wiener Übermutter der deutschsprachigen Poesie, Friederike Mayröcker (Jahrgang 1924). Im Essayteil wollen wir die verschiedenen Facetten der Angst sowohl aus der Sicht von Poeten (vgl. Nicola Bardola: „Verse im sinnlichen Spiel mit dem Tod“), als auch aus der Perspektive eines engagierten Theologen, eines erfahrenen Pädagogen und eines international renommierten Klangkünstlers beleuchten.

Selbstverständlich verfolgen wir für DAS GEDICHT auch weiterhin die laufende Lyrikproduktion deutschsprachiger Verlage kritisch. Gedichtbände, insbesondere von neuen Autoren, sind im Krisenjahr 2009 fast vollständig aus den Programmen der großen Häuser verschwunden. Da derzeit auch viele kleine Verlage um ihr Überleben kämpfen, sind 2009 insgesamt deutlich weniger Lyriktitel erschienen als in den Vorjahren. Wir werden Ihnen in der kommenden GEDICHT-Folge Nr. 18 besonders interessante und nachhaltige Lyriknovitäten aus dem Erscheinungszeitraum 2009/2010 vorstellen.

Besonders hinweisen möchte ich Sie in diesem Zusammenhang schon auf die neue, mutige Lyrikreihe „für neugierige Kinder“, die der Kölner Boje-Verlag gestartet hat. Sie ist auch in der vorliegenden GEDICHT-Folge angezeigt. Soweit mir die schwierigen Zeitumstände die nötige Zeit dafür lassen, werde ich Sie an dieser Stelle über zwischendurch immer wieder über wichtige Entwicklungen aus dem lyrischen Betrieb auf dem Laufenden halten.

Bei allem berechtigten Anlass zur Sorge beglückt es mich, dass ich ausgerechnet in diesem von Krisen erschütterten Jahr 2009, das mich nahezu ununterbrochen auf Trab hält, ungewöhnlich viele Projekte realisieren konnte.

Die Gesundheitsausgabe Nr. 16 von DAS GEDICHT bekam eine Reihe von guten Kritiken, was dazu führte, dass sie bereits 3 Monate nach dem Erscheinen ausverkauft war. Um die Ausgabe weiterhin lieferbar zu halten, ließ ich im Januar 1000 Exemplare davon nachdrucken, was angesichts der aufwändigen Ausstattung (Vierfarbendruck) ein teures Vergnügen wurde.

Im Frühjahr 2009 erschien im Deutschen Taschenbuch Verlag meine Anthologie „Ein Nilpferd schlummerte im Sand. Gedichte für Tierfreunde“, die ich zusammen mit Gabriele Trinckler edierte. Kein Geringerer als Reinhard Michl illustrierte die Sammlung. Im Juni 2009 schließlich startete im Deutschen Taschenbuch Verlag meine Serie „lyrik“, die nach dem Prinzip „vom Einfacheren zum Schwierigen“ insbesondere junge Leserinnen und Leser an Lyrik heranführen soll. Die Bände heißen „power“, „relax“ und „smile“, sind farbenfroh gestaltet und preisgünstig. Und besonders freue ich mich darüber, dass Reclam meine Lieblingsanthologie Feuer, Wasser, Luft & Erde. Die Poesie der Elemente“, die erstmals 2003 in Reclams Universalbibliothek erschienen war, 6 Jahre später, im August 2009, noch einmal aufgelegt hat, dieses Mal sogar in bibliophiler Ausstattung (Hardcover mit Schutzumschlag).

Dies alles sind kleine Lichtstreifen am Horizont und sie ermutigen mich, weiterhin alle geistigen und materiellen Mittel, über die ich verfüge, einzusetzen, um die Zeitschrift DAS GEDICHT als unabhängiges und plurales Organ für die deutschsprachige Lyrik zu erhalten. Sie steht im Zentrum meiner Arbeit als Verleger und Herausgeber und ist ein direkter Draht zu den Lesern und Autoren von Gedichten. Allen, die mich dabei unterstützen, insbesondere unseren Abonnentinnen und Abonnenten, danke ich auch an dieser Stelle ganz herzlich dafür.

Ich möchte Sie bei dieser Gelegenheit noch auf zwei Präsentationsveranstaltungen zur neuen GEDICHT-Ausgabe Nr. 17 einladen:

Am Dienstag, den 10. November 2009 lese ich um 19 Uhr in Wien zusammen mit Friedrich Ani, Alex Dreppec, Gerhard Rühm und Mario Wirz in der Alten Schmiede (Kunstverein Wien, Literarisches Quartier, Schönlaterngasse 9) aus „Fürchte dich nicht – spiele!“ und diskutiere mit Kollegen und Publikum über unsere Arbeit.

Am Dienstag, 1. Dezember 2009, lese ich um 20 Uhr in München zusammen mit Friedrich Ani, Nicola Bardola und anderen im GAP (Cafe / Bar / Restaurant, Goethestr. 34, 80336 München) aus „Fürchte dich nicht – spiele!“. Unter der Moderation von Nicola Bardola diskutieren Friedrich Ani und ich über die Arbeit an der gemeinsamen GEDICHT-Ausgabe. Und selbstverständlich lesen wir aus der Ausgabe, zusammen mit unseren Autorenkollegen. Und feiern im Anschluss.

Herzlichen Grüße,
und bis bald,
Ihr ANTON G. LEITNER

Eigentor eines Kritikers: Oh mei, oh mei!


Liebe Besucherinnen und Besucher,

 dass Kritiken, insbesondere über Lyriktitel, in Tageszeitungen immer kürzer werden, ist ein an sich trauriger Befund. Aber in der Kürze kann durchaus Würze liegen, wie es viele gelungene Gedichte und auch manche Kurzkritiken beweisen. Allerdings kann es auch anders kommen.

 Vor einigen Tagen flatterte mir der Beleg einer Buchbesprechung aus dem Münchner Merkur vom 10. August 2009 ins Haus, hinter der sich ein Rezensent mit dem Kürzel „mei“ versteckt. Dass dieser Kritiker tatsächlich allen Grund hat, seinen Namen zu verschleiern, habe ich nach der Lektüre seiner 23 Zeilen zu meinen drei kleinen dtv-Anthologien „smile“, relax“ und „power“ begriffen. Denn Herr oder Frau „mei“ − fast wäre ich versucht, ihn oder sie auf gut bayerisch „Oh mei Oh mei“ zu nennen, was auf Hochdeutsch ungefähr „um Himmels willen“ bedeuten würde − zeigt, dass es heute tatsächlich möglich ist, im Feuilleton einer auflagenstarken Regionalzeitung über etwas zu schreiben, von dem man offensichtlich nicht allzu viel versteht.

 Zunächst mokiert sich „mei“ über die englischen Buchtitel „power“, „relax“ und „smile“, die „wenig“ erwarten ließen. Das Wenige auch noch zu unterbieten, sei mir als Herausgeber gelungen. Denn: „Die Bände wimmeln nur von Originalbeiträgen unbekannter, zweitklassiger Lyriker, deren Texte ohne Leitner nie gedruckt worden wären“, behauptet „mei“, selbstverständlich, ohne seine Behauptungen mit Namen zu unterfüttern. Lediglich einen bekannten Namen hat Lyrikexperte „mei“ unter all den „zweitklassigen Autoren“ ausfindig gemacht: Josef Hader: „Pro Band ein unveröffentlichtes, sprachlich und gedanklich brillantes Gedicht des Wiener Kabarettisten Josef Hader, das aber das Kraut auch nicht mehr fett macht“. Spätestens jetzt hat sich unser Rezensent selbst ein Bein gestellt, denn einer der wenigen (noch) unbekannten Lyriker in allen drei Sammlungen ist ausgerechnet Josef Hader, der dichtende Cousin des großen österreichischen Kabarettisten mit gleichem Vor- und Nachnamen. Ohne Zweifel: Es hat was, wenn ein Kritiker seine eigene These, nämlich unbekannte Lyriker könnten keine guten Gedichte schreiben und sollten deshalb am besten unbekannt bleiben, gleich selbst widerlegt, in ein und dem selben Artikel! (Un-)kritisches Eigentor oder kabarettistisches Kabinettsstückchen im weiß-blauen Sommerloch, nach dem Motto: liest eh keiner?

 Ansonsten empfehle ich Herrn oder Frau „mei“ für zukünftige Lyrikkritiken im Münchner Merkur als allgemein- und besonders bildende Lektüre höchstvorsorglich Prof. Karl Otto Conrady’s Standardwerk „Der große Conrady. Das Buch deutscher Gedichte“, erschienen bei Artemis & Winkler in Düsseldorf. Da finden sich nämlich viele der „zweitklassigen Lyriker“, allerdings nicht mit Originalbeiträgen. Aber auch die vielleicht kostengünstigere Möglichkeit der Internetrecherche könnte sich anbieten, um mehr über die Autorinnen und Autoren von „power“, „relax“ und „smile“ mit Originalbeiträgen zu erfahren, darunter Friedrich Ani, Ulrich Johannes Beil, Manfred Chobot, Alex Dreppec, Tanja Dückers, Wolfgang Hermann, Semier Insayif, Fitzgerald Kusz, Axel Kutsch, Augusta Laar, Christine Langer, Theres Lehn, Werner Lutz, Arne Rautenberg, Walle Sayer, Ludwig Steinherr, Rainer Stolz, Suleman Taufiq, Jan Wagner, Tiger Willi, Lino Wirag, Siegfried Völlger oder Frantz Wittkamp. Und einem Lyrikrezensenten sollten doch eigentlich auch die Namen der restlichen Autoren geläufig sein: Bas Böttcher, Nora Bossong, Beat Brechbühl, Lydia Daher, Wiglaf Droste, Fritz Eckenga, Hans Magnus Enzensberger, Robert Gernhardt, Jürg Halter, Andrea Heuser, Helmut Krausser, Björn Kuhligk, Johannes Kühn, Paul Maar, Kurt Marti, Hellmuth Opitz, Albert Ostermaier, Dirk von Petersdorff, Matthias Politycki, Lutz Rathenow, Gerhard Ruiss, Joachim Sartorius, Michael Schönen, Xochil A. Schütz, Ron Winkler, Mario Wirz und viele mehr …

 Dass solche feuilletonistischen Ausrutscher aber erfreulicherweise eher die Ausnahme sind und man in der Regel Gedichte bzw. Lyriksammlungen anders kritisiert, zeigt beispielsweise der Beitrag von Hans Jansen zu „smile“ in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) vom Samstag, den 8. August 2009.

Schon seit langem greift Hans Jansen für die Wochenendausgabe der WAZ aus einer aktuellen lyrischen Neuerscheinung einen Text heraus, interpretiert ihn kundig und kritisiert begleitend nicht selten auch den Band, aus dem er stammt. „Gedicht der Woche“ heißt seine vierspaltige Rubrik, die eigentlich für alle anderen Tageszeitungen im deutschen Sprachraum, auch für den Münchner Merkur, ein nachahmenswertes Vorbild sein müsste. Jansen hat sich aus „smile“ Gernhards Gedicht „Kant“ zur Interpretation ausgesucht.

„smile“, so Hans Jansen in der WAZ, ist „eine kleine Anthologie mit heiteren Versen, die eine gehörige Portion Humor bergen und selbst dem notorischen Griesgram ein Lächeln auf die Lippen zaubern“.

 Mit diesen erfreulichen Zeilen melde ich mich heute
mit einem Augenzwinkern von meinem Blog ab,
nicht ohne Sie dabei herzlich aus Weßling zu grüßen.
Besuchen Sie mich wieder!
Bis bald also,
Ihr Anton G. Leitner

relax-Lyrik in “Die Welt” und “Süddeutsche Zeitung”

Liebe Besucherinnen und Besucher,

es freut mich sehr, dass meine drei dtv-Mini-Anthologien “power”, relax” und “smile” innerhalb weniger Tage schon von zwei wichtigen Tageszeitungen besprochen worden sind. Am Samstag, den 30. Mai 2009 widmete Dorothea von Törne in der Berliner Tageszeitung “Die Welt” relax-lyrik einen Beitrag in ihrer Rubrik “Kurz und knapp”, der auch online  publiziert ist.

Und am heutigen Freitag, den 5. Juni 2009, rezensiert Harald Eggebrecht die drei Minis unter dem Titel “Lust auf Lyrik” auf der Literaturseite der “Süddeutschen Zeitung” (S. 14).

Meine drei dtv-Mini-Anthologien laufen, soweit ich es als Herausgeber mitbekomme, glänzend an.  Es hat mir ein großes Vergnügen, aber auch ziemlich viel Arbeit bereit, zusammen mit dtv dieses neue Buchformat für Lyrik zu entwickeln, das ja auch Jugendliche ansprechen soll, genaugenommen also Leserinnen und Leser zwischen 15 und 100 Jahren, ein “Crossover-Projekt”, wie es unter Buchmenschen so schön heißt. dtv hat für dieses neue Buchformat sogar ein eigenes Verkaufsdisplay fertigen lassen, das 30 dieser Bücher fassen kann. Angesichts der Tatsache, dass die drei Titel überwiegend Originalbeiträge enthalten, kosten sie mit € 4,95 pro Band wirklich wenig.

Ich halte es für goldrichtig, dass dtv mitten in der Wirtschaftskrise meine neue Lyrikserie mit Nachdruck und unbeirrt auf den Markt gebracht hat. Denn die Lyrik entzieht sich für meine Begriffe weitgehend der materiellen Bewertung, ist also völlig unabhängig von wechselnden Aktienkursen, ihr immaterieller Wert ist aber, im Gegensatz zu Wertpapieren, erheblich. Ich wage zu behaupten, dass auch unseren Managern und Politikern die Lektüre von Lyrik gut,  ja sogar sehr gut  täte. Dies würde vielleicht ihre Phantasie stimulieren und folglich manche ihrer Entscheidungen kreativer und nachhaltiger ausfallen lassen.

Der Deutsche Taschenbuch Verlag (dtv) ermöglicht übrigens inzwischen auch auf seiner Website einen elektronischen Blick in “power-lyrik“, “relax-lyrik” und “smile-lyrik“. Lesen Sie also selbst und investieren Sie ggf. 3 mal € 4,95 in diese Titel. Ich glaube, die Investition lohnt sich. Und die Mini-Anthologien sind auch ein schönes Mitbringsel …

Ich bin übrigens auch über die Gestaltung der drei Titelblätter sehr glücklich und habe selten so schön gestaltete Bücher “außer Haus” machen dürfen. Ein dickes Dankeschön an meine beiden Lektorinnen Maria Schedl-Jokl und Eva-Maria Prokop, die meinen Enthusiasmus für Poesie teilen und von denen selbst so ein erfahrener Lyrikarbeiter wie ich (inzwischen vermittle ich ja seit fast 30 Jahren Poesie) noch etwas dazulernen kann.

Ansonsten arbeiten derzeit Friedrich Ani und ich auf Hochtouren an der neuen Ausgabe von DAS GEDICHT (Nr. 17), die zur Frankfurter Buchmesse 2009 erscheint. Ich glaube, wir werden eine ganz besondere Folge vorlegen. Es geht darin um Angst und um poetische Wege aus der Angst, ein spanndendes Thema, für das auch viele sehr bekannte Kolleginnen und Kollegen eigens zur Feder gegriffen haben …

Ich wünsche Ihnen ein sonniges und poetisches Wochenende und melde mich an dieser Stelle demnächst wieder mit Neuigkeiten. Heute werde ich noch meine Mittelschnauzerin “Nelly” um den Weßlinger See ausführen, sie steht gerade neben meinem Schreibtisch im Verlag und fordert mit wedelndem Schwanz ihr Gassi-Recht ein.

Ich muss also jetzt schnell weg. Bis bald
Ihr Anton G. Leitner

Friedrich Ani und Nicola Bardola feiern ihren 100. Geburtstag

Cent'anni Ani & Bardola: Nicola Bardola und Friedrich Ani begrüßen am 8. Mai 2009 ihre Geburtstagsgäste im Münchner "gap"

Cent'anni Ani & Bardola: Nicola Bardola und Friedrich Ani begrüßen am 8. Mai 2009 ihre Geburtstagsgäste im Münchner "gap"

Iris und Said feiern mit
Iris und Said feiern mit
Anton G. Leiter und Felizitas Leitner bei Tisch

Anton G. Leitner und Felizitas Leitner bei Tisch

Nicola Bardola und Friedrich Ani schneiden am 8. Mai 2009 im gap (München) ihren Geburtstagskuchren an. Anis Jugendfreund Martin assistiert.

Nicola Bardola und Friedrich Ani schneiden ihren Geburtstags-Rüblikuchen an. Anis Jugendfreund Martin assistiert.