Bürger als Bauernopfer

Öffnung des Flughafens Oberpfaffenhofens (Weßling)
für Geschäftsflieger bedroht eine der schönsten Regionen Deutschlands

Liebe Besucherinnen und Besucher,

mitten in der Über-Arbeitsphase für die nächste Ausgabe von DAS GEDICHT habe ich mit Entsetzen die Entscheidung der Regierung von Oberbayern zur Kenntnis genommen, den Sonderflughafen Oberpfaffenhofen (Weßling) für den Geschäftsflugverkehr zu öffnen. Der „Wunschzettel“ des Flughafenbetreibers wurde, wie es die Süddeutsche Zeitung (SZ) heute in ihrer Starnberger Landkreisausgabe kommentiert, nahezu ohne Abstriche genehmigt.

Die gestrige Entscheidung der Regierung von Oberbayern ist ein Schlag ins Gesicht aller Bürgerinnen und Bürger, die im Westen von München leben und bedroht eine der schönsten Naturlandschaften Deutschlands. Denn Oberpfaffenhofen liegt inmitten des idyllischen Fünfseenlandkreises Starnberg. Hier leben traditionellerweise viele Künstler, für die Ruhe eine Grundvoraussetzung ist, um kreativ arbeiten zu können. Aus demselben Grund haben sich auch etliche High-Tech-Unternehmen im westlichen Landkreis Starnberg angesiedelt. Die barocke Schönheit dieser Landschaft, in der sich sanfte Hügel mit Badeseen abwechseln, zieht traditionell viele Naherholungssuchende aus München und Touristen aus aller Welt an. Auch Kloster Andechs verdankt einen Teil seines Charmes der Einbettung in diese reizvolle Umgebung.

Wer sich auf der Großdemonstration mit rund 5.000 Demonstranten am vergangenen Sonntag in Weßling mit offenen Augen umgesehen hat, konnte unschwer erkennen, dass sich dort keine „linken Spinner“ versammelt haben. Vielmehr reichten sich in der Menschenkette rund um den Weßlinger See Bürgerinnen und Bürger aus allen Bevölkerungsschichten, vom Bauer bis zum ehemaligen Präsidenten des Bayerischen Landeskriminalamtes, Hermann Ziegenaus, die Hände. Die Veranstalter, die diese Demonstration gegen die Erweiterung des Sonderflughafens Oberpfaffenhofen in ein hochkarätiges Kulturprogramm eingebettet haben, bewiesen mit ihrem friedlichen Bürgerprotest auf eindrucksvolle Weise, welches geistige Potential diese Region zu bieten hat und auf welchem kultivierten Niveau hier selbst Demonstrationen stattfinden.

Auch wenn nicht wenige lokale CSU-Politiker und Würdenträger am vergangenen Sonntag gegen die Flughafenerweiterung mitdemonstrierten, scheint sich seit den Zeiten von Franz Josef Strauß an der generellen Einstellung dieser Partei gegenüber der Luftfahrt nichts verändert zu haben. Es stellt sich deshalb, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, die berechtigte Frage „wie unabhängig die Regierung noch entscheiden konnte oder durfte“. Dass die Regierung von Oberbayern in ihrer Presseerklärung schreibt, sie habe den Antrag des Flughafenbetreibers „nur unter Einschränkungen genehmigt“, bezeichnet die SZ als „reinsten Hohn“.

In meiner Rede zur Eröffnung der Ausstellung „FlugKunst“ beschrieb ich die bereits existente Lärmsituation in Weßling. Ich habe in den letzten 16 Jahren hier zusammen mit meinem Team so effektiv für die Lyrik arbeiten können, dass das oberbayerische Dorf Weßling, wie es der Intendant der Berliner Festspiele, Joachim Sartorius auf der Zehnjahresfeier im Literaturhaus München im Jahr 2002 formuliert hat, zum „Hauptdorf der deutschen Poesie“ geworden ist. „Das deutsche Lyrik-Imperium wird seit 15 Jahren von Bayern aus regiert“, titelt zum 15 jährigen Bestehen von DAS GEDICHT die Zeitschrift „Bayern im Buch“ des Sankt Michaelbundes (Ausgabe 2008 / 1). Auch wenn ich selbst etwas bescheidener denke, sagt die Tatsache, dass Weßling nicht selten bundesweit von Nachrichtenagenturen im Zusammenhang mit Lyrik genannt wird und immer wieder auch mit diesem Thema in den Fernsehabendnachrichten z. B. der ARD auftaucht, etwas über die Bedeutung aus, die unserer Arbeit beigemessen wird.

Angesichts des Satzes „Der Prophet gilt nichts im eigenen Land“, betrachte ich es als keine Selbstverständlichkeit, dass mich der Landkreis Starnberg vor einigen Jahren mit seinem Kulturpreis ausgezeichnet hat und ich bin ihm dafür auch dankbar. Und ich freue mich darüber, dass ich auch im Rahmen der Demonstration am vergangenen Sonntag die Gelegenheit bekam, zusammen mit dem Schauspieler Peter Weiss mit Gedichtbeiträgen gegen die Erweiterung des Geschäftsflughafens zu protestieren und werde in dieser Beziehung weiter mit meinen Mitteln zur Stelle sein, wenn ich gebraucht werde.

Ob für mich der Landkreis Starnberg längerfristig der Mittelpunkt meines (Arbeits-)Lebens bleiben wird, kann ich heute noch nicht mit Bestimmtheit sagen. Ich denke ernsthaft Alternativen an und bin sicherlich nicht der einzige Arbeitgeber, der sich diesbezüglich Gedanken macht.

Dass wegen des zweifelhaften Profites einiger weniger die Bürgerinnen und Bürger einer der schönsten Regionen Deutschlands als Bauernopfer der (im Übrigen wenig zukunftsträchtigen) Flugzeugbranche verschaukelt werden sollen, halte ich für völlig unverzeihlich. Es ist ja hinreichend bekannt, welche Partei hierzulande für die operativen Entscheidungen als Regierungspartei verantwortlich ist. Und angesichts solcher Erfahrungen, die viel über deren Demokratieverständnis aussagen, ist es jetzt wirklich an der Zeit, dass sie abgelöst wird. Im September 2008 besteht dazu erstmals eine realistische Chance.

Ich bin heute traurig und frustriert und habe eine schlaflose Nacht hinter mir. Die gestrige Entscheidung der Regierung von Oberbayern ist ein schwarzer Tag für die Gemeinde Weßling und ein schwarzer Tag für den ganzen Landkreis Starnberg. Ein schwarzer Tag auch für all jene, die hier geistig arbeiten müssen, ein schwarzer Tag also auch für die deutsche Lyrik. Dass die Erweiterung des Flughafens auch die hiesigen Immobilien entwertet und damit auch meine eigene Altersvorsorge gefährdet, ist ein Aspekt, der mich ganz privat betrifft.

Aber ich denke, wir haben alle nicht mehr, aber auch nicht weniger als eine Stimme. Und davon werden wir auch im buchstäblichen Sinne Gebrauch machen.

Mit herzlichen Grüßen
aus der Weßlinger Einflugschneise,

Ihr Anton G. Leitner

Künstlerprotest gegen die Erweiterung des Sonderflughafens Oberpfaffenhofen / Weßling für Geschäftsflieger

Liebe Besucherinnen und Besucher,

meinen „Arbeitsjuni“ im Büro, der demnächst nahtlos von einem „Arbeitsjuli“ im Büro abgelöst wird, habe ich am gestrigen Samstag für einen öffentlichen Protestauftritt gegen die Erweiterung des Sonderflughafens Oberpfaffenhofens / Weßling unterbrochen. Ich war eingeladen, zur Ausstellung „FlugKunst“ (Pfarrstadel Weßling, 29. Juni bis 6. Juli 2008: Montag – Fr, 15 – 18 Uhr und Sa / So 11 – 18 Uhr) eine kurze Eröffnungsrede zu halten.

Ich habe zunächst auf die schon im Ort bestehende Lärmsituation verwiesen, die bereits für mich und die meisten anderen Weßlinger Bürger ein schier unerträgliches Maß erreicht hat: Zum einen wegen der Weßlinger Hauptstraße. Sie zerschneidet durch einen inzwischen an Irrsinn grenzenden Durchgangsverkehr mit zigtausenden Fahrzeugen am Tag das Dorf Weßling in zwei Teile – es ist für mich nur eine Frage der Zeit, bis in diesem Verkehrsmoloch ein Kind auf dem Weg zur Schule oder zum Kindergarten schwer verletzt oder totgefahren wird, da das Überfahren von roten Ampeln in Weßling an der Tagesordnung ist. Zum anderen auch wegen des hausgemachten Lärms, der von den Bürgern Weßlings selbst mit elektrischen Maschinen und Verbrennungsmotoren aller Art erzeugt wird.

Ein Protest gegen Fluglärm kann nicht isoliert von der restlichen Lärmbelastung im Ort artikuliert werden, sonst würde er die bereits bestehende Lärmsituation vollkommen verharmlosen. Jeder, der zu Recht gegen die völlig unsinnige Erweiterung des Sonderflughafens Oberpfaffenhofens protestiert, weil sie eine der schönsten Natur- und Seenlandschaften Deutschlands zerstört, kann auch selbst etwas gegen den Lärm unternehmen. Etwa durch Einhaltung der mittäglichen Ruhezeiten, durch Unterlassung von lärmstörenden Arbeiten an Sonn- und Feiertagen, durch Unterlassung unsinniger Fahrten durch den Ort (beispielsweise mit lärmenden Traktoren, die zu Hobbyzwecken unterhalten werden und mit denen an Sonn- und Feiertagen besonders gerne Kinder ausgefahren werden, unangeschnallt versteht sich).

Meine Rede im überfüllten Weßlinger Pfarrstadel (unter den Gästen befanden sich mehrere Bürgermeister unserer Region sowie der Starnberger Landrat Karl Roth) stieß auf breite Zustimmung im Publikum, aber auch auf heftigste Proteste von mehreren Bürgerinnen aus dem Nachbarort, die der Meinung sind, der Lärm solle in Weßling bleiben: Weßling bräuchte keine Umgehungsstraße, weil es eh schon den Lärm gewohnt sei, und ein bekannter Künstler wie ich könne im Übrigen an jedem anderen Ort in Deutschland arbeiten und müsse halt wegziehen. Weniger Lärm in Weßling bedeute mehr Lärm in ihrem stillen Ortsteil Kuckucksheim / Wörthsee. Eigens zu Beweiszwecken sei eine 40-minütige Bandaufnahme angefertigt worden, auf der im Wesentlichen drei Geräusche zu hören seien: Das Klopfen eines Buntspechts, die zärtliche Stimme eines Rotschwänzchens und das Rauschen der Blätter im Wind. Auf diese Ruhe habe man einen Anspruch. Man habe schließlich mehr in seinem Leben gearbeitet, als ein Künstler. Schluss, aus und basta!

Selig sind die Bewohner im benachbarten Wolken-Kuckucksheim!

Um die Diskussion in Gang zu halten, stelle ich meine Rede von gestern nebst den drei Beispielsgedichten an dieser Stelle online und lade Sie herzlich ein, sich Ihre eigene Meinung zu bilden.

In diesem Sinne verbleibe ich für heute herzlich grüßend

Ihr Anton G. Leitner

aus Weßling (natürlich mit dem obligatorischen Silikonstöpsel im Ohr)

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

vor einigen Jahren hat mich während einer Literaturtagung auf Schloss Elmau ein Lektor verwundert gefragt, wie ich es bei meiner konzentrationsbedürftigen Arbeit aushalten könne, auf dem Land zu leben. Er besuche einmal im Jahr Verwandte in Weßling und habe unter Weßling das Bild eines idyllischen, herzförmigen Sees gespeichert, um den herum der nackte Lärm tobe. Eine Hauptstraße, durch die permanent Autos rauschten und röhrten und Schwerlaster rumpelten, dazu alle zehn Minuten das Geräusch einer kreischend-anfahrenden S-Bahn, begleitet vom Gejaule elektrischer Laubsauger im Zusammenklang mit Bandschleifmaschinen, Rasenmähermotoren, Gartenhäckslern, Kreis- und Motorsägen, selbst während der mittäglichen Ruhezeiten. „Wie könnt ihr Euch nur das Leben auf dem Land so zur Lärmhölle machen“, fragte er mich. Er wäre immer wieder froh, wenn er sich zuhause in München vom Weßlinger Lärmstress erholen könne.

Nun hat sich diese denkwürdige Begenbenheit bereits vor Jahren zugetragen. Damals schien sogar eine Lösung gegen den unendlich anschwellenden Hauptstraßenlärmpegel in Sicht, eine Umgehungsstraße war in greifbare Nähe gerückt, und vom ehemaligen Dornier-Werksflughafen war höchstens im Zusammenhang mit Entlassungen durch eine Nachfolgefirma namens Fairchild die Rede, von Auffanggesellschaften und von wieder einmal vergeblich eingesetzten Millionensubventionen. Eine Flughafenerweiterung stand nicht zur Debatte.

Ich habe dem Lektor auf Elmau geantwortet, dass er mir aus der Seele spräche, weil ich oft nur noch mit geräuschdämmenden Silikonstöpseln im Ohr arbeiten könne und meist auch im Hochsommer alle Fenster geschlossen hielte.

Der natürliche Feind eines Menschen, der hochkonzentriert geistige Arbeit verrichten muss, ist der Lärm. Und ich fürchte nichts mehr, als Nachbarn, die sich am Wochenende zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten in Hobbyschreiner, Hobbyschleifer oder Hobbysauger verwandeln.

„Schöne Gedichte“, so sagte ich damals dem Lektor, könne ich in Weßling schon lange nicht mehr schreiben. Dazu müsse ich mich schon in das Gästehaus eines befreundeten Künstlers auf der kanarischen Insel La Palma zurückziehen oder ins Regental im Bayerischen Wald, wo ein Teil meiner Vorfahren herstammt.

Nun ist die Weßlinger Umgehungsstraße aufgrund einzelner Hirschkäferfunde wieder einmal in weite Ferne gerückt und da ich selbst einen kleinen Teil meiner juristischen Referendarszeit in Brüssel verbringen konnte, weiß ich, von was ich rede, wenn ich von Hirschen und Käfern spreche. Wenn zum bisherigen Lärm auch noch deutlich mehr Fluglärm dazu kommt, müsste man als Künstler schon einen ausgeprägten Hang zum Masochismus haben, um weiterhin in Weßling wohnen und arbeiten zu wollen.

Unsere Region gilt als eine der schönsten in Deutschland und wer wie ich viel unterwegs ist, kann dies nur bestätigen. Es scheint jedoch in der Natur des Menschen zu liegen, dass sich der Mensch selbst seine eigenen Oasen und Ruheräume zerstört. Und so finden sich auch für die schönsten Flecken auf unserer Erde immer Totengräber oder Grabherrn.

Vielleicht sollten wir deren Pläne auf denkbar unkonventionelle Weise durchkreuzen: Setzen wir einfach im richtigen Moment zwei oder drei Hirschkäfer auf ihren Start- oder Landebahnen aus. Denn für den Schutz von Hirschkäfern kann sich im Zweifelsfall immer ein hoher EU-Beamter begeistern, dafür macht er vielleicht sogar Überstunden und folglich auch weniger Lärm in seiner Freizeit.

Aber lassen Sie mich nach der Pflege des schwarzen Humors wieder zurück zu den lyrischen Tatsachen kommen. Ich trage Ihnen zum Ausklang meines Beitrages gegen die Flughafenerweiterung jetzt noch drei eigene Gedichte vor. Zwei davon sind in Weßling, eines ist auf La Palma entstanden. Sie erraten sicher selbst den jeweiligen Entstehungsort.

Anton G. Leitner,

Weßling, 28.06.2008

 

Anton G. Leitner:

Sonntagsgedicht
aus der Provinz

Das geht so und so
Nicht gut die Städter die ein
Fallen jedes Wochen
Ende mit Blechspiel
Zeug deutsche Gesell
Igkeit ein zwei
Hundert Watt um die neuen
Kopfstrümpfe Schoner aus
Polyäthylen buntbedruckte Hosen
Träger hupend du sitzt
Auf dem Freeshirt
Herrscht Michael aus dem Wagen
Da hast du die Schlüssel
Selbst ist die Frau
Wenn der Mann neben ihr sitzt
Und wartet bis sie
Gegen ihn aufkommt
Mit dem Motorrad
Führerschein
Ist die Bundhosen
Falte unterwegs im Grünen
Spannt minutenlang aus greift
In die Satteltasche
Der Gummi der Feldstecher
Nutzt die Gunst der
Beifahrerin auf dem Park
Platz wandert einer
Mit der Karte um die Wette
Auf dem Weg bleiben
Auch die Abweichler
Schimpfen sich ein Volk von
Sportbäuchen und Lederkombis
Einer fährt immer Fahrrad
Für Deutschland
Geht die Sonne im
Osten unter

© 2006 lichtung Verlag, GmbH, Viechtach
AGL, “Im Glas tickt der Sand. Echtzeitgedichte 1980 – 2005”)

 

Anton G. Leitner:

Was will mir der Herr Nachbar
mit der Säge sagen?

Ich bin
Stärker als der
Wilde

Wuchs.
Ich säge
Den Baum ab

Auf dessen Ast
Du nie mehr
Sitzen wirst.

© 2006 lichtung Verlag, GmbH, Viechtach
AGL, “Im Glas tickt der Sand. Echtzeitgedichte 1980 – 2005”)

 

Anton G. Leitner:

Das Meer sieht

Das Land mit anderen
Augen. (Der Blick geht

Vom Blau ins Gelb ins
Grün.) Ein bewegtes

Kissen für eine ruhige
Nacht im Schoß.

© 2006 lichtung Verlag, GmbH, Viechtach
AGL, “Im Glas tickt der Sand. Echtzeitgedichte 1980 – 2005”)

Arbeitsjuni

Liebe Besucherinnen und Besucher,

in den letzten Tagen haben mich immer wieder Besucher meiner Homepage angemailt und besorgt nachgefragt, wie es mir geht, weil ich seit Wochen meine aktuelle Internetseite nicht mehr auf einen tagesaktuellen Stand gebracht habe.

Mir geht es soweit gut, außer dass ich seit Wochen durcharbeite. Meine vielen „Auswärtsspiele“ büße ich gerade mit „Heimarbeit“ ab. Im Zentrum meiner Arbeit steht, wie Sie wahrscheinlich schon richtig vermuten, die kommende Ausgabe von DAS GEDICHT. Für die Nummer 16 habe ich den Schweizer Autor und Kritiker Markus Bundi, der in diesen Tagen im Schauspielhaus Zürich mit dem Montblanc-Literaturpreis 2008 ausgezeichnet worden ist, als Mitherausgeber verpflichtet. Die Auswahl der Gedichte ist schon weit fortgeschritten und derzeit arbeiten wir besonders intensiv am Essay- und Kritikteil (zusammen mit Nico Bleutge, Rolf-Bernhard Essig und Maximilian Dorner).

Meine dtv-Sammlung mit Nachtgedichten (sie erscheint im Dezember 2008 unter dem Titel „Gedichte für Nachtmenschen“, Mitherausgeberin ist Gabriele Trinckler) liegt bereits beim Verlag in München, an der übernächsten dtv-Sammlung („Ein Nilpferd schlummerte im Sand“), deren Umschlag kein Geringerer als Reinhard Michl gestaltet) sitze ich bereits, ebenso an meiner dritten Anthologie in der edition Chrismon mit Beziehungsgedichten, die zur Frankfurter Buchmesse 2008 erscheint.

Bereits für Herbst/Winter 2008/2009 plane ich einen deutlich erweiterten Internet-Auftritt (mit voraussichtlich exklusiven Angeboten für GEDICHT-AbonnentInnen). In Zusammenarbeit mit Matthias Politycki habe ich bereits im Vorfeld ein neues Seminarkonzept erarbeitet, das wir erstmals Ende Januar 2009 in Weßling/Hochstadt realisieren. Unsere Idee hat sich zu unserer Verblüffung intern bereits so verbreitet, dass das erste Seminar dieser Art schon ausgebucht ist, bevor wir es überhaupt öffentlich ausschreiben konnten. Wir werden aber selbstverständlich in absehbarer Zeit eine zweite derartige Veranstaltung anbieten und Sie rechtzeitig darüber informieren.

Für Herbst 2008 stehen schon wieder mehrere öffentliche Auftritte an, u. a. in Kelheim an der Donau, Frankfurt am Main (Buchmesse) und Holzminden. Ich werde Sie selbstverständlich rechtzeitig an dieser Stelle genauer darüber informieren. Meine Auftritte auf den Deutschen Katholikentag zusammen mit Alexander Nitzberg und Martin Finsterlin (Gitarre) waren anstrengend (9 Stunden Anfahrt nach Osnabrück und 9 Stunden Rückfahrt), aber sehr spannend. Ich scheue generell große Ansammlungen von Menschen und auch die Parallelität von zig Veranstaltungen, die sinnvoller auf ein ganzes Jahr verteilt würden, birgt die Gefahr einer gewissen unverbindlichen Beliebigkeit in sich. Das Wetter in Osnabrück war jedoch strahlend schön, unser Programm mit „geistlichen“ Gedichten anspruchsvoll, die Stimmung gut – und eine Stadtbesichtigung von Münster (den wunderbar lichten Dom hätte ich am liebsten gar nicht mehr verlassen) mit anschließendem Besuch in Lüdinghausen bei Frantz Wittkamp, dessen Arbeit ich überaus schätze, haben diese Tour für mich dann wirklich „abgerundet“.

Im Zusammenhang mit katholischer Kirche denke ich an meine heutige Zeitungslektüre der Süddeutschen Zeitung. Im Lokalteil wird wieder einmal über einen bizarren Kampf David gegen Goliath berichtet. Die Seeufergemeinde Berg am Starnberger See hat(te) einen unorthodox agierenden Pfarrer im orthodoxen Habit: Pater Laurentius. Ich habe Pater Laurentius im Rahmen des „Ökumenischen Neujahresempfangs 2008“ der Evangelischen Gemeinde in Berg, bei dem ich die Festrede halten durfte, als „Seelsorger“ mit offenen Augen und Ohren für die Sorgen und Nöte seiner Gemeinde persönlich kennen gelernt. Seine Natürlichkeit, sein Charisma zogen mich sofort an. Ein unkonventioneller Priester, so dachte ich, von dessen Schlag die Katholische Kirche mehr brauchen könnte. Und die Gläubigen in Berg dachten ebenso, Pater Laurentius hat dort einen Grad auf der Beliebtheitsskala der Gemeinde erlangt, der den Oberhirten in München offenbar unheimlich wurde, denn sie haben ihn mit sofortiger Wirkung von seinem Posten abberufen. Alle Proteste seiner Gemeinde fruchten nicht, Laurentius kommt weg, Schluss, Basta. Das verstehe wer wolle: Anstatt einem Mann wie Laurentius den Bischofsstab zu übergeben, bekommt er von der Kirchenobrigkeit einen Tritt in den Allerwertesten und wird kalt vor die Tür gesetzt. Wo haben diese Oberhirten ihre Augen und Ohren, frage ich mich.

Genauso unverständlich ist es mir, dass die deutschen Milchbauern ihre Milch in den Abfluss kippen und kein Kirchenvertreter protestiert dagegen oder versucht sie davon abzuhalten oder zu vermitteln. Da auf der Welt täglich hunderttausende von Menschen verhungern und verdursten müsste es eigentlich andere Wege geben, einen fairen Milchpreis zu erzielen, als Milch in den Gulli zu kippen.

Aber bevor ich mich weiter aufrege, tauche ich jetzt wieder lieber in meine Arbeit ab, dann vergesse ich alle gusseisernen Erzbischöfe & Consorten. Nein, auch darüber, dass Ulla Schmidt noch immer Bundesgesundheitsministerin ist, kann ich mich eigentlich nicht mehr wirklich aufregen, im Gegenteil, sie treibt mich förmlich wieder an meinen Schreibtisch zurück. Schmidt hat die verschlafene CSU mit ihrem Bürokratiemonster Gesundheitsfonds, so steht es heute ebenfalls in der Süddeutschen Zeitung, nämlich kräftig über den Tisch gezogen und setzt mit der geplanten bundesweiten Nivellierung der ärztlichen Honorare obendrein noch einen drauf. Mehrere hundert Millionen Euro sollen aus den Töpfen der Bayerischen Kassenärzte in andere Bundesländer abfließen. Das wird etliche bayerische Praxen in den Ruin treiben, mutmaßt die SZ. Wer sich für die derzeitige Situation der Hausärzte in Bayern interessiert, der findet mehr dazu in meinen früheren Nachrichten und subjektiven Notizen auf dieser Seite oder kann dazu auch gleich die Internetseiten von Felizitas Leitner (leicht zu ergooglen) besuchen. Wie schön also, dass noch so viel Arbeit auf mich wartet, und ich folge gerne ihrem Ruf

meint heute
Ihr zwischendurch für Sie aufgetauchter

Anton G. Leitner

aus Weßling

Sonntagsnotizen aus der Provinz

Liebe Besucherinnen und Besucher,

die Leipziger Messe war sehr erfolgreich für mich, aber auch sehr anstrengend. Viele interessante Leute getroffen, alte Freundschaften mit Kollegen gepflegt und neue, wichtige Bekanntschaften, geschlossen, neue Projekte (jeweils bis um 3 Uhr morgens) angedacht und diskutiert.

Ich bin seither nur noch am Arbeiten, weil ich 2008 so viele Angebote von Verlagen bekomme wie selten zuvor und mich in aller Ruhe entscheiden möchte, welche ich annehmen kann und welche nicht. Zudem werden derzeit nach 15 bzw. 10 Jahren die Technik und Einrichtung in meinem kleinen Verlag komplett überholt und aktualisiert, es werden Einbauten vorgenommen, seit Tagen sind die Handwerker im Haus, und wir räumen ganze Zimmer aus und ein, testen die neuen Geräte usw. Dies ist auch der Grund, warum ich mich heute nur kurz melden kann. Ich muss gleich wieder an einem Exposé weiterarbeiten und das an einem strahlendem Sonntag!

Ich danke Ihnen ganz herzlich für die Unterstützung meines Aufrufs gegen den Gesundheitsfonds. Viele Leserinnen und Leser haben mir gemailt, dass sie sich auf meine Anregung hin an der Petition gegen dieses unsinnige Bürokratiemonster beteiligt haben, einige wichtige Politiker haben inzwischen meine Frau und mich persönlich in Weßling am Buchenweg besucht und sich vor Ort von uns genau informieren lassen. Es scheint jetzt auch in der Politik Bewegung gegen den Fonds zu entstehen, insbesondere die CSU bezieht inzwischen dagegen öffentlich immer deutlicher Stellung.

Soviel in aller Kürze.

Herzliche Grüße aus dem Hauptdorf der Poesie,
Weßling, das jetzt einen neuen Bürgermeister hat
(Michael Muther von den Freien Wählern)
und einen poetischen Restsonntag
bis bald

Ihr Anton G. Leitner

Leipziger Buchmesse 2008

Buchpremiere Anton G. Leitner (Hrsg): „Im Ursprung ein Ei sprang“

Donnerstag, 13. März 2008, 21 Uhr, Gohliser Schlösschen (Saal)

Liebe Besucherinnen und Besucher,

bevor ich morgen in aller Frühe nach Leipzig aufbreche, wo ich bereits mittags live im mdr zu hören sein werde, möchte ich Sie an dieser Stelle auf meine neue Anthologie „Im Ursprung ein Ei sprang. Gedichte vom Werden und Vergehen“ aufmerksam machen, die ja auf der Leipziger Buchmesse erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wird.

Gestern habe ich vom Verlag mein erstes Vorab-Exemplar bekommen. Ich glaube, das ist mein bislang schönstes Buch geworden (wie Sie wissen habe ich ja nicht gerade wenige Bücher gemacht). Diese Anthologie ist nicht nur wegen ihrer bibliophilen Ausstattung (u. a. Voll-Leinen, Lesebändchen, Prägeetikett, Mehrfarbendruck) ein kleines Juwel. Viele Gedichte und Übersetzungen sind eigens dafür entstanden, ein erst kürzlich in einem Papyrus entdecktes Sappho-Gedicht wird dort, rekonstruiert und übersetzt von Prof. Niklas Holzberg (München), zum ersten Mal publiziert.

Es wäre mir eine besondere Freude, Sie morgen (Donnerstag, den 13. März 2008) um 21 Uhr im Saal des Gohliser Schlösschens (Menckestr. 23, Leipzig) begrüßen zu dürfen. Zusammen mit Schauspieler Jaecki Schwarz („Polizeiruf 110“-Kommissar Schmücke) und dem Berliner Lyriker Mario Wirz lese ich aus dem Buch. Der vielfach ausgezeichnete Pianist Benjamin Schatz begleitet unsere Buchpremiere am Klavier, Arnd Brummer, Chefredakteur von Chrismon und Verleger des HDV, führt durch den Abend.

Im Märzheft von Chrismon (03. 2008) stelle ich das neue Projekt auf einer Doppelseite vor (vgl. S. 42/43). Das Märzheft ist am 9.3.2008 in „Der Tagesspiegel“, am 10.3.2008 in „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Potsdamer Neueste Nachrichten“ und „Süddeutsche Zeitung“, am 12.3.2008 in „Mitteldeutsche Zeitung“ und „Schweriner Volkszeitung“ erschienen und am 13.3.2008 liegt es in „Die Zeit“ bei. Natürlich gibt es dieses Heft auch auf der Leipziger Buchmesse.

Ich selbst bin bis Samstag in Leipzig. dtv hat mich eingeladen, meine Neuerscheinung „Zu mir oder zu dir? Verse für Verliebte“ (Reihe Hanser, Februar 2008) als Autor / Herausgeber am dtv Stand persönlich zu vertreten. Ich werde mich deshalb immer wieder einmal am dtv Stand einfinden und sicher auch öfters am Gemeinschaftsstand von Chrismon (Halle 3 A, Stand 215) anzutreffen sein.

Meine Zeitschrift DAS GEDICHT hat keinen Stand in Leipzig, weil es natürlich für mich als Herausgeber besonders wichtig ist, viel auf der Messe unterwegs zu sein, um für unsere Leserinnen und Leser neuen Lesestoff zu entdecken.

Vielleicht begegnen wir uns ja auf der Messe?

Herzliche Grüße
und bis bald,

Ihr Anton G. Leitner

Reaktionen auf die Solidaritätserklärung mit den Hausärzten

Liebe Besucherinnen und Besucher,

auf meine Solidaritätserklärung vom 4. Februar 2008 habe ich inzwischen dutzende von eMails aus dem Kreise der Besucherinnen und Besucher dieser Internetseiten erhalten, die mir insbesondere für meine Offenheit danken. Die aufgedeckten Kalkulationen zum Stundenlohn einer bayerischen Kassenärztin im teuren S-Bahnnahbereich von München lösen Entsetzen aus. Nahezu alle, die mir geantwortet haben, beteiligen sich an der Petition gegen den Gesundheitsfonds.

Am Samstag, den 9. Februar 2008 bestätigte übrigens ein Interview der Süddeutschen Zeitung mit einer Hausärztin und einem Hausarzt (als Aufmacher im Münchner Teil der SZ publiziert) die hier erstmals offenbarten Zahlen. Die beiden interviewten Hausärzte unterschreiten die von mir genannten Werte sogar noch und weisen als Nettostundenlohn für ihre Tätigkeit lediglich 10 Euro aus.

Ich habe meine Solidaritätserklärung auch an die Bundestags- und Landtagsabgeordneten aus meinem Wahlkreis geschickt, u. a. an Ilse Aigner (CSU), Ursula Männle (CSU), Klaus Barthel (SPD) und Martin Zeil (FDP).

Nach und nach ergeben sich jetzt interessante Korrespondenzen und Gespräche. Als erster Politiker reagierte der Weßlinger Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler, Michael Muther. Er unterstützt selbst und mit seiner Familie meinen Aufruf.

Danach meldete sich die Landtagsabgeordnete Kathrin Sonnholzer (SPD) aus Fürstenfeldbruck mit interessanten Sachinformationen und Anregungen. Allerdings sieht sie schwarz, was die Verhinderung des Gesundheitsfonds betrifft. Sie glaubt, dass der Gesundheitsfonds kommt, weil er ja lediglich die Ärzte in zwei Bundesländern benachteilige (bzw. in ihrer Existenz bedrohe), leider halt auch die bayerischen Hausärzte. Eine (nachträgliche) Ablehnung des Gesundheitsfonds sei deshalb unwahrscheinlich. Im übrigen verwies sie auf Landtagsprotokolle, aus denen sich klar und deutlich ergibt, dass sie schon frühzeitig auf die dramatische Situation der Hausärzte in Bayern hingewiesen hat, dabei aber insbesondere bei der CSU-Fachressortministerin Stewens auf taube Ohren gestoßen ist. Sie wird sich weiter für die Belange der Hausärzte in Bayern engagieren, und trifft sich demnächst mit meiner Frau und weiteren Kolleginnen, um im direkten Gespräch mit Praktikern mögliche Verbesserungen oder Lösungswege zu erörtern.

Am Mittwoch, den 20.02.2008 meldete sich bei mir auch die Bundestagsabgeordnete Ilse Aigner (CSU) telefonisch, um sich darüber zu informieren, wo meiner Frau der Schuh drückt. Zunächst zeigte sie sich etwas ungehalten darüber, dass ich auf meiner Homepage geschrieben hatte, die Abgeordneten aus meiner Heimatregion wären offensichtlich nicht bereit, sich mit dem Kulturpreisträger ihres Landkreises bezüglich der Hausärzte-Problematik auszutauschen. Mein Solidaritätsaufruf sei lediglich an „Sehr geehrte Damen und Herren“ adressiert gewesen, nicht an sie persönlich. Hausärzte hätten im übrigen noch andere Einnahmen als die der Kassen, sie selbst arbeite als Abgeordnete auch 60 Stunden die Woche. Auf meinen Einwand, dass sie als Abgeordnete des Deutschen Bundestages aber nicht für 1.300 Euro netto monatlich arbeiten müsse, und auch deutlich weniger Risiko zu tragen habe, als eine Ärztin, reagierte sie verblüfft und auch etwas ungläubig. Ich selbst betonte im Gespräch mit Ilse Aigner, dass es den Hausärzten nicht nur ums Geld gehe, sondern auch um die Tatsache, dass sie von Politik und Krankenkassen zu „Überbringern schlechter Nachrichten“ degradiert würden (siehe unten). Auch das Kassieren der Praxisgebühr von symbolischen 10 Euro belaste das Verhältnis zwischen Patient und Arzt aufs Kleinkarierteste und erhöhe für Arztpraxen zudem deutlich das Risiko, Opfer von Straftaten zu werden. Abschließend meinte Frau Aigner, dass sie selbst nie ein großer Fan des (von ihr mit beschlossenen?) Gesundheitsfonds gewesen sei, an dessen inhaltlicher Ausgestaltung ja auch noch gearbeitet werde.

Martin Zeil von der FDP, der in Presseerklärungen stets seine Solidarität mit den bayerischen (Haus-)Ärzten verkündet, hat auf meinen Aufruf bislang nicht reagiert. Die Nichtreaktion von Zeil spricht nicht gerade für seine Bürgernähe und stimmt mich skeptisch, was den wirklichen Willen der bayerischen FDP zur Verbesserung der Lage für die bayerischen Hausärzte betrifft.

Inzwischen hat sich auch der bayerische Ministerpräsident Beckstein (CSU) mit dem Vorsitzenden der bayerischen Hausärzte getroffen und nach dem Gespräch den Kassen empfohlen, direkt mit den bayerischen Hausärzten zu verhandeln, um besser honorierte Verträge zu erreichen. CSU-Gesundheitspolitiker Zimmermann erklärte in einem Gespräch mit dem Münchner Merkur seine Wandlung vom „Saulus zum Paulus“, räumte schwere Fehler in der Gesundheitspolitik ein, und gelobte Besserung auf der ganzen Linie.

Ich halte es für kein schlechtes Zeichen, dass jetzt einige Politiker damit beginnen, sich bei Praktikern über deren Probleme zu erkundigen oder sogar selbstkritisch schwere Fehler einräumen. Nach meinen ersten persönlichen Erfahrungen bin ich allerdings äußerst skeptisch, ob sie sich wirklich um eine Änderung der Situation bemühen werden, oder ob es sich bei ihrem plötzlichen Engagement lediglich um wahltaktische Ablenkungsmanöver kurz vor den Kommunalwahlen in Bayern handelt. Ich stelle bei meinen Kontakten mit Politikern eine erschreckende Arroganz der Macht fest, eine deutliche Scheu, sich in Zusammenarbeit mit den betroffenen Bürgern selbst um eine konstruktive Verbesserung der Situation zu kümmern.

Natürlich hoffe ich auch, dass ich Sie demnächst an dieser Stelle wieder ausführlich über literarische Themen aus dem mir so nahen Feld der Poesie informieren kann. Aber ich habe lange, viel zu lange, schweigend zugeschaut, wie meine Frau für eine stetig schlechtere Bezahlung immer noch mehr arbeiten musste, dauerschikaniert von ständig neuen Vorgaben einer kafkaesk-unheimlichen Kassenbürokratie, die den Patienten erzählt, „jeder bekommt alles Nötige“, und für solche Versprechungen hinterher die eigenen Vertragsärzte in Regress nimmt und bluten lässt. Ein Kassensystem, das Hausärzte zu Dauerüberbringern schlechter Nachrichten degradiert („nein, dieses Mittel darf ich Ihnen nicht mehr verschreiben, die Krankengymnastik darf ich Ihnen nicht mehr verordnen“ usw.) und zum Kassieren von unsinnigen Praxisgebühren missbraucht, und damit das über viele Jahre gewachsene Grundvertrauen der Patienten in ihre Ärzte zerstört, die Ärzteschaft total frustriert und jeden intelligenten jungen Menschen davor abschreckt, Arzt zu werden.

Nein, ich kann beim besten Willen nicht mehr länger zuschauen und schweigen. Ich werde mich von diesem Thema erst dann sanft „zurückziehen“, wenn eine deutliche Besserung der Situation eingetreten ist.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit,
viele Grüße aus Weßling
und bis ganz bald,

Ihr Anton G. Leitner