Anton Josef Leitner, Oberstudiendirektor a. D., ist, wie gestern bereits trauernd vermeldet, am Montag, 3. Mai, im Alter von 82 Jahren plötzlich und unerwartet verstorben. Der Trauergottesdienst findet unter Corona-Bedingungen an diesem Freitag, 7. Mai 2021, ab 14 Uhr in der Heilig-Kreuz-Kirche in Weßling-Oberpfaffenhofen statt. Die Beerdigung ist im Anschluss auf dem Weßlinger Friedhof an der Christkönig-Kirche.
»Wadlbeissn« heißt der rund 200 Seiten starke neue Solo-Band Anton G. Leitners, der neben bairischen Versen auch deren hintersinnige hochdeutsche Nachdichtungen durch den Autor selbt enthält. Soeben ist er in hochwertiger Ausstattung – Hardcover, Schutzumschlag, Lesebändchen – im Volk Verlag (München) erschienen. Nach »Schnablgwax« (Editionen Lichtung / DAS GEDICHT 2016) soll auch er quasi zugleich dem Volk aufs Maul schauen, seine Affekte hinterfragen und es, wo es nötig ist, denen da oben mal ordentlich heimleuchten.
»mutig und ziemlich gut« – Pressestimmen zum Vorgänger
»Leitner dichtet aufsässig und offensiv, niemals nur lieblich, wenn dann schon innig, intim und zugespitzt, und das macht den Reiz aus. Mutig ist das, und ziemlich gut.« So war etwa auf Bayern 2 als Urteil über »Schnablgwax« zu hören. Und Alexander Altmann befand im Münchner Merkur zu Leitners erstem Mundartband: »Der Clou ist, dass es Leitner gelingt, den Denkrhythmus zu spiegeln, der dem ›Native Speaker‹ des Bairischen eigen ist.« Dass auch die Süddeutsche Zeitung ihn behandelte, mag wenig überraschen, Sabine Reithmaier fand ihn »vergnüglich zu lesen«. Dass selbst der ferne rbb über ihn berichtete, ist aber bemerkenswert: Salli Sallmann attestierte hier: »Leitners Verse entspringen immer dem vollen Leben«, und er lasse »mit ihnen die Fassaden bröckeln«.
»Versreporter mit kabarettistischem Biss« – Klappentext von »Wadlbeissn«
Auf dem Gipfel der subversiben Mundartdichtung: Anton G. Leitner ist seit jeher ein Poet des Realen, der falsche Heimattümelei vom Kopf auf die Füße stellt. Indem er Situationskomik und Sozialkritik in seine Muttersprache einbettet, gelingt ihm ein »pointiertes Portrait bayerischer Wesensart« (MUH-Magazin). Leitners minutiöse Beobachtungsgabe macht ihn zu einem investigativen Vers-Reporter mit kabarettistischem Biss und hohem Unterhaltungswert. Damit der fließende Rhythmus des Bairischen auch jenseits weiß-blauer Horizonte neue Resonanzböden findet, hat der Autor jedem seiner 67 Mundartgedichte eine Nachdichtung ins Hochdeutsche beigesellt.
Der Autor befindet: Schmackhaft sind die neuen Verse! Nun muss nur noch das Publikum probieren. Foto: Peter Boerboom
Bibliografische Daten zum oberbairischen Lyrikhappen:
Anton G. Leitner Wadlbeissn Zupackende Verse Bairisch – Hochdeutsch Volk Verlag, Mai 2021 Hardcover, SU, Lesebändchen 200 Seiten, 18,- Euro ISBN 978-3-86222-352-7
Leseproben aus »Wadlbeissn«
Da scheene Schein
Need oiss, wos is, Is aa so, wiasd moansd, Dass is. Awa
Wennsd moansd, dass so Sei soi, nachad lassmas Hoid so sei.
Der schöne Schein
Nicht alles, was ist, Ist auch wirklich so, wie du Meinst. Aber
Wenn du wirklich meinst, dass es so Sein soll, dann lassen wir es Halt so sein.
* * *
A wuida Brumma
»Do schaug hea Auf mein Busn, do Hod mi a Webbs Gschdocha«, sogds Ganz webbsad und Reissd iran AusSchnidd auf in Dobbe- Dee, woi awa beim Näa Hischaung Goa koan Schdiech Siech – und aa koan BeeHaa, sondan Oiss nua no dobbed Und vaschwomma. Und grod summa Duads und brumma In meim Kobbf.
Der schöne Schein
»Da, schau mal Auf meinen Busen, da Hat mich eine Wespe Gestochen«, sagt sie Ganz aufgestachelt und Reißt ihren Aus- Schnitt auf in Größe Doppel- D, wo ich aber bei Näherer Betrachtung Gar keinen Stich Entdecken kann – und auch Keinen Büstenhalter, stattdessen Seh ich alles nur noch doppelt Und verschwommen. Und es summt und Brummt wie wild In meinem Kopf.
* * *
A sauwane Sach
Schbugg da A boa Moi In d’ Hend Und schlog Danoch ei Bei oam, Dea di Üwan Diesch Ziang wui.
Hygienekonzept
Spuck dir Mehrfach In die Hände Und schlag Danach ein Bei einem, Der dich Über den Tisch Ziehen will.
Die Poesie schöpft ihre Kraft nicht nur aus schnellen Rhythmen, sondern gewinnt ihren Zauber insbesondere aus der stillen Beobachtung des Kleinen und Unscheinbaren. Der Schweizer Schriftsteller und Literaturkritiker Nicola Bardola verfasste neben zahlreichen Gedichten vieldiskutierte Romane wie »Patt« und »Schlemm« sowie Biographien zu John Lennon oder Yoko Ono. Zusammen mit der Münchner Poetin Gabriele Trinckler und dem vielfach ausgezeichneten Lyriker Anton G. Leitner spürt er dem Lauf der Zeit nach.
Anschließend: Paterson
USA, 2016 | 123 Min. | Buch und Regie: Jim Jarmusch | Darsteller: Adam Driver, Golshifteh Farahani, Barry Shabaka Henley, Rizwan Manji, Masatoshi Nagase u. a.
Der Busfahrer Paterson lebt in der gleichnamigen Kleinstadt in New Jersey und schreibt Tag für Tag in seiner Mittagspause Gedichte. Während er der Ruhepol ist, um den die Stadt kreist, jagt seine Ehefrau Laura wilden Träumen hinterher. Patersons Gedichte verfasste der bekannte US-amerikanische Lyriker Ron Padgett eigens für den Film, der von vielen weiteren dichterischen Bezügen durchzogen ist, denn schließlich setze bereits William Carlos William der Stadt Paterson ein fünfbändiges poetisches Denkmal.
Ort: Kino Breitwand Schloss Seefeld
(Schloßhof 7, 82229 Seefeld-Hechendorf),
Termin: Mittwoch, 12.9.2018, Beginn 19.30 Uhr
Eintritt: € 15,-
Kartenreservierungen unter www.fsff.de
Nicola Bardola, 1959 in Zürich geboren, veröffentlichte als Student an der Universität Bern erste Gedichte und schrieb 1984 an der Universität Zürich im Fach Germanistik seine Lizentiatsarbeit über Theorien moderner Lyrik (u. a. zu Nicolas Born, Rolf Dieter Brinkmann, Jürgen Theobaldy). Seither lebt er in München, wo er seine Kolumne »Lyrik Revue« zunächst für das Münchner BuchMagazin betreute und für die Süddeutsche Zeitung sowie die NZZ schrieb. Neben vieldiskutierten Romanen wie »Patt« und »Schlemm« sowie Biographien zu John Lennon oder Yoko Ono veröffentlichte er Gedichte in Zeitschriften und Anthologien, übersetzte Eugenio Montale ins Deutsche und war Mitbegründer der Initiative Junger Autoren (IJA). Internet: www.bardola.de
Anton G. Leitner, geboren 1961 in München, publizierte bislang zwölf lyrische Einzeltitel, zuletzt »Schnablgwax. Bairisches Verskabarett«. In seinem Verlag in Weßling gibt er seit 1993 die buchstarke Zeitschrift DAS GEDICHT heraus, die von Herbst 2017 bis Sommer 2018 bundesweit ihr 25. Jubiläum feierte. Darüber hinaus edierte er über vierzig Anthologien. Mit seiner Sammlung »Ois is easy. Gedichte aus Bayern« hat er den weiß-blauen Freistaat lyrisch neu kartografiert. Zuletzt erschienen bei Reclam seine Sammelbände »Heimat. Gedichte« (2017) und »Der Himmel von morgen. Gedichte über Gott und die Welt« (2018). Leitner wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem V. O. Stomps-Preis der Stadt Mainz, dem Bayerischen Poetentaler und zuletzt mit dem Tassilo-Kulturpreis der Süddeutschen Zeitung (2016). Er ist Mitglied der Münchner Turmschreiber.
Internet: www.AntonLeitner.de und www.dasgedicht.de
Gabriele Trinckler, geboren 1966 in Berlin, lebt seit 1999 in München. Sie arbeitet als Verlagsassistentin und Lektorin im Anton G. Leitner Verlag, Weßling. Außerdem ist sie Redakteurin der Zeitschrift DAS GEDICHT. 2018 erschien ihr jüngstes Lyrikbändchen »hase im grübchen« im Rahmen des Projekts »Literaturautomat« in Düsseldorf. Sie ist Herausgeberin von bislang dreizehn Anthologien, u. a. im dtv: »Gedichte für Reisende« und »Weihnachtsgedichte« (beide zusammen mit Anton G. Leitner).
Die Reihe »Dichtung + Film« ist eine Kooperation des Fünf Seen Filmfestivals (www.fsff.de) / Breitwand Kinos (www.breitwand.com) mit der Zeitschrift DAS GEDICHT(www.dasgedicht.de). Mit freundlicher Unterstützung des Landratsamts Starnberg.
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