»Wadlbeissn«: Anton G. Leitners neuer bairisch-hochdeutscher Solo-Gedichtband

 

»Wadlbeissn« heißt der rund 200 Seiten starke neue Solo-Band Anton G. Leitners, der neben bairischen Versen auch deren hintersinnige hochdeutsche Nachdichtungen durch den Autor selbt enthält. Soeben ist er in hochwertiger Ausstattung – Hardcover, Schutzumschlag, Lesebändchen – im Volk Verlag (München) erschienen. Nach »Schnablgwax« (Editionen Lichtung / DAS GEDICHT 2016) soll auch er quasi zugleich dem Volk aufs Maul schauen, seine Affekte hinterfragen und es, wo es nötig ist, denen da oben mal ordentlich heimleuchten.

»mutig und ziemlich gut« – Pressestimmen zum Vorgänger

»Leitner dichtet aufsässig und offensiv, niemals nur lieblich, wenn dann schon innig, intim und zugespitzt, und das macht den Reiz aus. Mutig ist das, und ziemlich gut.« So war etwa auf Bayern 2 als Urteil über »Schnablgwax« zu hören. Und Alexander Altmann befand im Münchner Merkur zu Leitners erstem Mundartband: »Der Clou ist, dass es Leitner gelingt, den Denkrhythmus zu spiegeln, der dem ›Native Speaker‹ des Bairischen eigen ist.« Dass auch die Süddeutsche Zeitung ihn behandelte, mag wenig überraschen, Sabine Reithmaier fand ihn »vergnüglich zu lesen«. Dass selbst der ferne rbb über ihn berichtete, ist aber bemerkenswert: Salli Sallmann attestierte hier: »Leitners Verse entspringen immer dem vollen Leben«, und er lasse »mit ihnen die Fassaden bröckeln«.

»Versreporter mit kabarettistischem Biss« – Klappentext von »Wadlbeissn«

Auf dem Gipfel der subversiben Mundartdichtung: Anton G. Leitner ist seit jeher ein Poet des Realen, der falsche Heimattümelei vom Kopf auf die Füße stellt. Indem er Situationskomik und Sozialkritik in seine Muttersprache einbettet, gelingt ihm ein »pointiertes Portrait bayerischer Wesensart« (MUH-Magazin). Leitners minutiöse Beobachtungsgabe macht ihn zu einem investigativen Vers-Reporter mit kabarettistischem Biss und hohem Unterhaltungswert. Damit der fließende Rhythmus des Bairischen auch jenseits weiß-blauer Horizonte neue Resonanzböden findet, hat der Autor jedem seiner 67 Mundartgedichte eine Nachdichtung ins Hochdeutsche beigesellt.

Der Autor befindet: Schmackhaft sind die neuen Verse! Nun muss nur noch das Publikum probieren. Foto: Peter Boerboom

 

Bibliografische Daten
zum oberbairischen Lyrikhappen:

Anton G. Leitner
Wadlbeissn
Zupackende Verse
Bairisch – Hochdeutsch
Volk Verlag, Mai 2021
Hardcover, SU, Lesebändchen
200 Seiten, 18,- Euro
ISBN 978-3-86222-352-7

   

               

 

Leseproben aus »Wadlbeissn«

Da scheene Schein

Need oiss, wos is,
Is aa so, wiasd moansd,
Dass is. Awa

Wennsd moansd, dass so
Sei soi, nachad lassmas
Hoid so sei.

 

Der schöne Schein

Nicht alles, was ist,
Ist auch wirklich so, wie du
Meinst. Aber

Wenn du wirklich meinst, dass es so
Sein soll, dann lassen wir es
Halt so sein.

 

* * *

A wuida Brumma

»Do schaug hea
Auf mein Busn, do
Hod mi a Webbs
Gschdocha«, sogds
Ganz webbsad und
Reissd iran AusSchnidd
auf in Dobbe-
Dee, woi awa beim
Näa Hischaung
Goa koan Schdiech
Siech – und aa koan
BeeHaa, sondan
Oiss nua no dobbed
Und vaschwomma.
Und grod summa
Duads und brumma
In meim Kobbf.

 

Der schöne Schein

»Da, schau mal
Auf meinen Busen, da
Hat mich eine Wespe
Gestochen«, sagt sie
Ganz aufgestachelt und
Reißt ihren Aus-
Schnitt auf in Größe Doppel-
D, wo ich aber bei
Näherer Betrachtung
Gar keinen Stich
Entdecken kann – und auch
Keinen Büstenhalter, stattdessen
Seh ich alles nur noch doppelt
Und verschwommen.
Und es summt und
Brummt wie wild
In meinem Kopf.

 

* * *

A sauwane Sach

Schbugg da
A boa Moi
In d’ Hend
Und schlog
Danoch ei
Bei oam,
Dea di
Üwan Diesch
Ziang wui.

 

Hygienekonzept

Spuck dir
Mehrfach
In die Hände
Und schlag
Danach ein
Bei einem,
Der dich
Über den Tisch
Ziehen will.

 

Schneller langsam. Schlendernde Poesie in rasenden Zeiten – DICHTUNG + FILM im Rahmen des Fünf-Seen-Filmfestivals 2018

Die Poesie schöpft ihre Kraft nicht nur aus schnellen Rhythmen, sondern gewinnt ihren Zauber insbesondere aus der stillen Beobachtung des Kleinen und Unscheinbaren. Der Schweizer Schriftsteller und Literaturkritiker Nicola Bardola verfasste neben zahlreichen Gedichten vieldiskutierte Romane wie »Patt« und »Schlemm« sowie Biographien zu John Lennon oder Yoko Ono. Zusammen mit der Münchner Poetin Gabriele Trinckler und dem vielfach ausgezeichneten Lyriker Anton G. Leitner spürt er dem Lauf der Zeit nach.

Anschließend:
Paterson
USA, 2016 | 123 Min. | Buch und Regie: Jim Jarmusch | Darsteller: Adam Driver, Golshifteh Farahani, Barry Shabaka Henley, Rizwan Manji, Masatoshi Nagase u. a.

Der Busfahrer Paterson lebt in der gleichnamigen Kleinstadt in New Jersey und schreibt Tag für Tag in seiner Mittagspause Gedichte. Während er der Ruhepol ist, um den die Stadt kreist, jagt seine Ehefrau Laura wilden Träumen hinterher. Patersons Gedichte verfasste der bekannte US-amerikanische Lyriker Ron Padgett eigens für den Film, der von vielen weiteren dichterischen Bezügen durchzogen ist, denn schließlich setze bereits William Carlos William der Stadt Paterson ein fünfbändiges poetisches Denkmal.

Ort: Kino Breitwand Schloss Seefeld
(Schloßhof 7, 82229 Seefeld-Hechendorf),
Termin: Mittwoch, 12.9.2018, Beginn 19.30 Uhr
Eintritt: € 15,-
Kartenreservierungen unter www.fsff.de

Nicola Bardola, 1959 in Zürich geboren, veröffentlichte als Student an der Universität Bern erste Gedichte und schrieb 1984 an der Universität Zürich im Fach Germanistik seine Lizentiatsarbeit über Theorien moderner Lyrik (u. a. zu Nicolas Born, Rolf Dieter Brinkmann, Jürgen Theobaldy). Seither lebt er in München, wo er seine Kolumne »Lyrik Revue« zunächst für das Münchner BuchMagazin betreute und für die Süddeutsche Zeitung sowie die NZZ schrieb. Neben vieldiskutierten Romanen wie »Patt« und »Schlemm« sowie Biographien zu John Lennon oder Yoko Ono veröffentlichte er Gedichte in Zeitschriften und Anthologien, übersetzte Eugenio Montale ins Deutsche und war Mitbegründer der Initiative Junger Autoren (IJA). Internet: www.bardola.de

Anton G. Leitner, geboren 1961 in München, publizierte bislang zwölf lyrische Einzeltitel, zuletzt »Schnablgwax. Bairisches Verskabarett«. In seinem Verlag in Weßling gibt er seit 1993 die buchstarke Zeitschrift DAS GEDICHT heraus, die von Herbst 2017 bis Sommer 2018 bundesweit ihr 25. Jubiläum feierte. Darüber hinaus edierte er über vierzig Anthologien. Mit seiner Sammlung »Ois is easy. Gedichte aus Bayern« hat er den weiß-blauen Freistaat lyrisch neu kartografiert. Zuletzt erschienen bei Reclam seine Sammelbände »Heimat. Gedichte« (2017) und »Der Himmel von morgen. Gedichte über Gott und die Welt« (2018). Leitner wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem V. O. Stomps-Preis der Stadt Mainz, dem Bayerischen Poetentaler und zuletzt mit dem Tassilo-Kulturpreis der Süddeutschen Zeitung (2016). Er ist Mitglied der Münchner Turmschreiber.
Internet: www.AntonLeitner.de und www.dasgedicht.de

Gabriele Trinckler, geboren 1966 in Berlin, lebt seit 1999 in München. Sie arbeitet als Verlagsassistentin und Lektorin im Anton G. Leitner Verlag, Weßling. Außerdem ist sie Redakteurin der Zeitschrift DAS GEDICHT. 2018 erschien ihr jüngstes Lyrikbändchen »hase im grübchen« im Rahmen des Projekts »Literaturautomat« in Düsseldorf. Sie ist Herausgeberin von bislang dreizehn Anthologien, u. a. im dtv: »Gedichte für Reisende« und »Weihnachtsgedichte« (beide zusammen mit Anton G. Leitner).

Die Reihe »Dichtung + Film« ist eine Kooperation des Fünf Seen Filmfestivals (www.fsff.de) / Breitwand Kinos (www.breitwand.com) mit der Zeitschrift DAS GEDICHT(www.dasgedicht.de). Mit freundlicher Unterstützung des Landratsamts Starnberg.